Salam @ all,
die Reportage ist wirklich erschütternd. Am Beispiel zweier Brüder (23 und 21 Jahre alt, die sich für ihre Abhängigkeit auch sehr schämten, auch wenn sie die Hauptverantwortung dafür anderen zuschoben) wird dargestellt, wie leicht man in die Heroinabhängigkeit geraten kann und wie dünn die Möglichkeiten gerade in Afg. sind, wieder herauszukommen.
Wenn ich alles richtig verstanden habe, dann wurde dort eine Klinik gefilmt, die sich auf die Behandlung von Abhängigen spezialisiert hatte. In Anbetracht der fehlenden Mittel schaut das Hilfsprogramm dann so aus:
Aufklärung über die Gefahren des Drogenkonsums mit dem Ziel, bei den Abhängigen wenigstens einen Einfluss auf das Gebrauchsverhalten nehmen zu können - also wenn unbedingt Drogenkonsum, dann rauchen, schniefen, essen - aber um Himmels willen nicht spritzen ! Ein Drogenschuss kostet 50 Cent - das ist m.E. ja nun auch ein verlockend geringer Preis, um ein paar Stunden der Hoffnungslosigkeit des Alltgas entkommen zu können.
Der in der Klinik behandelnde Psychiater versuchte die rasant steigende Zahl von Drogenkonsumenten mit der nun vorhandenen Freiheit zu erklären, die es früher in der Form nicht gab.
Als Psychiater, der in ganz Afg. nur 49 praktizierende Kollegen hat, verdient er pro Monat 40 Dollar - genausoviel wie eine Krankenschwester. Der Leiter der Klinik träumt davon, eine Tages medizinische Behandlungsfachrichtungen anzubieten, für die er sich ursprünglich hat ausbilden lassen; gleichzeitig ist er frustriert, weil er wohl ahnt, dass daraus so schnell nichts werden wird.
Entzugswillige haben in der Klinik die Möglichkeit, sich entgiften zu lassen - unter Medikamentengabe zur Linderung der schlimmsten Entzugserscheinungen. Neben einer Art gruppentherapeurtischem Gespräch mit einem Sozialarbeiter hält auch ein Mullah eine Ansprache an die Entzugswilligen. Er mahnte sie, den Drogen zu entsagen, sonst - naja, könnt Ihr Euch denken ( = nicht nur auf Erden ein höllisches Dasein, sondern erst recht im Jenseits ).
Von ihren Familien werden Drogenabhängige gemieden wie die Pest, weil sie als Schande und Unheilsbringer gelten. Außerdem ist Drogensucht ein Tabuthema, weil nach dem Islam die Drogeneinnahme verboten ist.
Das macht es Hilfsprogrammen ja nun nicht gerade leichter in der Realisierung. Ein Regierungsmitarbeiter vermutete, dass sich das Problem verringern wird, wenn die Wirtschaft wächst, darum mehr Wohlstand ins Land kommt und es den Menschen dann so gut geht, dass sie keine Drogen mehr brauchen.
Der Großteil der Drogenabhängigen rekrutiert sich dem Bericht zufolge aus den 3,5 Millionen Flüchtlingen, die aus Pakistan und dem Iran zurück nach Afg. gekommen sind. Derzeit geht man von 1 Million Drogenkonsumenten in Afghanistan aus.
Ich hoffe sehr, dass ich diese Zahl missverstanden habe - denn was soll aus so einer Gesellschaft werden, wenn von Regierungsseite auf blühende Wirtschfatsepoche zur Lösung des Problems gehofft und das Thema in der Bevölkerung tabuisiert wird ???
Ich weiss nicht so richtig wohin mit meinem Mitgefühl. Wollen wir die AM-Spende vielleicht mal diesem Thema zugute kommen lassen ?
Khoda hafez
Deutsch68