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Islam in den Medien

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Post 15.03.2006 00:28:29 
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kamaaneRostam
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Joined: 15 Nov 2007
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Islam in den Medien

Salaam,

Sabine Schiffer, eine Medienwissenschaftlerin, erklärt in einem ihrer Vorträge die Mechanismen der Manipulation durch die Medien anhand von vielen Beispielen und ebenso wie das hiesige Islam(zerr)bild davon geprägt wird...

...die Medien haben die Macht, neue "Wirklichkeiten" zu schaffen...

Die Wahl eines bestimmten Zeichens - Wort oder Bild - entscheidet darüber, auf welchen Wirklichkeitsausschnitt die Aufmerksamkeit gelenkt wird - und was ausgeblendet bleibt.[3] Mensch und Medien konstruieren unter Verwendung von Zeichen ständig Wirklichkeiten, die nicht dem Erlebten entsprechen - auch wenn nur "Fakten" berichtet werden. Da wir uns alle an dem orientieren, was wir schon zu "wissen" meinen, ergibt sich unbemerkt eine Wiederholung derselben Ausschnitte, was den Eindruck von Authentizität noch verstärkt. Auf diese Weise entstehen Stereotype, die pars pro toto für die ganze Wahrheit gehalten werden.

...auch durch durch eine Aufzählung von Fakten kann man lügen. Durch selektive Wahrnehmung zB., in dem man sich auf bestimmte Einzelaspekte konzentriert und andre ausblendet...

In Bezug auf die mediale Wahrnehmung des Islams liegt genau in der Vielfalt der so genannten islamischen Welt die Tücke - je größer der Fundus, umso zuverlässiger lässt sich finden, was man sucht. Die Beispiele mutieren nach mehrmaliger Wiederholung zum Beweis. Wenn bereits wenige Beispiele als ultimative Beweise genügen, dann wird das Erwartete bestätigt und somit "wahr". Teilwahrheiten haben das Potenzial, eine diffuse Ablehnungshaltung zu begründen, deren Basis keine Sachkenntnis ist, sondern ein Konglomerat aus zusammenhanglosen Informationsfetzen. Beim heutigen Medienkonsum kann man eine unkritische Übernahme solcher Informationsbruchstücke beobachten. Die nächste Information ersetzt ein Nachdenken oder gar eine Nachfrage, wenn ein Zusammenhang nicht verstanden wurde - und vielleicht gar nicht vorhanden war.

Ausgeblendet bleibt meist das Normale, Unspektakuläre, denn only bad news are good news, und wer würde schon ein unspektakuläres Medium kaufen? Dinge, die wir in Bezug auf den Islam auf Grund unserer kulturspezifisch eingeschränkten Sicht übersehen, sind etwa der hohe Anteil weiblicher Professoren in Ägypten und der Türkei (ca. 30 Prozent gegenüber zehn Prozent in Deutschland), die Diskussion um eine Männerquote an iranischen Universitäten, da dort die weiblichen Studierenden in der Überzahl sind, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Frauen erst nach der Islamischen Revolution dort das Wahlrecht erhielten. Wie sehr Zeigen und Ausblenden unsere Wahrnehmung trüben, belegt auch das folgende Beispiel: Immer wieder können wir lesen, dass muslimische Mädchen nur die Hälfte dessen erben, was ihre Brüder erben. Das stimmt, es bleibt jedoch ausgeblendet, dass muslimische Männer damit traditionell die Verpflichtung übernehmen, für ihre unverheirateten Schwestern und andere Verwandte zu sorgen, während Frauen dieses Geld zur eigenen Verfügung erhalten. In den modernen islamischen Gesellschaften spielt diese Aufteilung inzwischen keine so große Rolle mehr, da die Grundsituation familiären Zusammenlebens sich gewandelt hat. In den betroffenen Ländern passen sich die Gesetze der Situation an. Mit einem einzigen Satz kann jedenfalls die Schilderung nie komplett sein.

Die Beispiele aus dem Umfeld "der" muslimischen Frau dienen hier ebenso der plakativen Illustration, wie dies umgekehrt in Bezug auf die Unterdrückung der Musliminnen geschieht. Allzu häufig dienen Teilwahrheiten aus dem Leben muslimischer Frauen als Beleg für die Unterdrückungsmechanismen "des" Islams. Häufig muss die Situation der Musliminnen für die Beurteilung des Islams insgesamt herhalten, etwa wenn das Thema allein durch das Zeigen einer Kopftuchträgerin repräsentiert wird. Das Bild erfüllt die Funktion eines Verdichtungssymbols...

Wo die Wirklichkeit zu komplex ist, da müssen einfache griffige Formeln, Symbole und Stereotype herhalten...der Kopftuch ist schuld...

Der Differenziertheit steht die Karriere des Kopftuchs gegenüber, die es ermöglicht, dass vielschichtige Informationen durch vereinfachende Teilinformationen ersetzt werden. Was sagt das Tragen eines Kopftuchs über das Denken der Menschen aus, die es tragen?...

Zu einfach macht man es sich jedoch, wenn Freiheit und Emanzipation mit Kleidungsfreiheit gleichgesetzt werden. Übrigens handelt es sich oft nicht um wirkliche Kleidungsfreiheit, wenn gefordert wird, bestimmte Kleidungsstücke nicht zu tragen. Wenn eine verschleierte Frau auf dem Bildschirm zu sehen ist, werden jahrelang bediente Assoziationsketten ausgeschöpft. Kaum eine Islamthematisierung kommt ohne Kopftuch aus, wobei erfolgreiche Frauen zumeist ohne ein solches gezeigt werden, etwa die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Darüber hinaus wird das Thema "Ausländer" sowohl in Nachrichtensendungen als auch in Zeitungen seit Jahren immer wieder mit Bildern kopftuchtragender Frauen unterlegt, so dass das Konzept "Islam ist Fremdheit" noch verstärkt wird. All dies kommt der Integration muslimischer Frauen gerade nicht zugute, die sich häufig eher unverstanden statt "gerettet" fühlen.

Diese Stereotypisierung wird aber auch durch Vorlagen aus der islamischen Welt bedient. Dazu trug etwa die Kampagne Nawal el Saadawis in Ägypten bei, die über die "Entschleierung des Bewusstseins" die Situation im Land verbessern wollte. Dabei wird ihr politisches Engagement häufig stark verkürzt wiedergegeben. Ihre Kritik an den hierarchischen Wirtschaftsstrukturen weltweit, die dazu führen, dass mehr Geld von der "dritten" in die "erste" Welt fließt als umgekehrt, bleibt ausgeblendet. Die Reduktion auf die Frauenrechtsthematik führt zu dem Fehlschluss, dass el Saadawi den Islam für die Benachteiligung der Frauen verantwortlich mache - mitnichten, wie sie auf ihren Vortragsreisen betont.

Zusammenhänge wo es keine Zusammenhänge gibt...Beispielsweise

bei folgendem Beispiel aus dem Jahr 1993 vor, bei dem die Genitalverstümmelung von Mädchen in Ägypten thematisiert wird. "Um in Ägypten eine Kampagne gegen die Beschneidung zu starten, müßten zuerst die religiösen Führer von deren Sinnlosigkeit überzeugt werden. Der Islam ist Staatsreligion. Zu ihm bekennen sich 93 % der Bevölkerung."[12] Doch Genitalverstümmelung hat nicht unmittelbar etwas mit dem Islam zu tun, wie ein Blick auf die Verbreitungsländer belegt. Es handelt sich um eine altafrikanische Tradition, die auch in einigen islamischen Ländern Afrikas ebenso wie in vielen nichtislamischen angewandt wird. Derselbe Effekt wird mit dem Verweis darauf erzeugt, dass der Eingriff "in der Nähe einer Moschee" durchgeführt wurde... oder ...

am Beispiel eines Berichts über die Situation von Frauen in Bangladesch gezeigt werden kann.[14] Während in dem Artikel aus dem Jahr 1992 deutlich wird, dass in dem armen Land vor allem ökonomische Faktoren jedes Lebensschicksal bestimmen, heißt es am Ende: "Die Rede ist vom islamischen Bangladesch." Man hätte ebenfalls - und genauso "korrekt" - den Satz folgendermaßen beschließen können: "Die Rede ist vom demokratischen Bangladesch", oder "Die Rede ist vom asiatischen Bangladesch", oder gar "Die Rede ist vom von einer Frau regierten Bangladesch". Obwohl es sich jeweils um Fakten handelte, entsteht jedes Mal ein völlig anderer Eindruck von Kausalitäten. Dies zeigt, wie die Entscheidung für einen Realitätsausschnitt die Wahrnehmung dieser "Realität" beeinflusst. Gegenproben dieser Art können helfen, nicht dem "Fakten-" bzw. dem Chronistenmythos zu verfallen.

"Moslem" als Etteketierung und Stigma

Als im Herbst 2002 ein Scharfschütze die Hauptstadt der USA Washington in Angst und Schrecken versetzte, meldete ein Radiosender des Bayrischen Rundfunks: "Der zum Islam konvertierte John Allan Muhammad (...)." Bis heute ist wenig über die Motive des Täters von Washington und seines Stiefsohns bekannt, dennoch bleibt ein suggerierter Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Menschen und der Religion des Täters bestehen.[15] Ähnliches fand sich in einem Bericht über einen Tunesier, dem die Abschiebung droht: Vielleicht nur aus stilistischem Kalkül wird er im Laufe des Textes auch als "Muslim" bezeichnet.[16] Vor dem Hintergrund des Erwarteten dürfte klar sein, welche Schlüsse hier gezogen werden. Mittlerweile kann man geradezu von einer Darstellungstradition sprechen: Handelt es sich bei einem Täter um einen Moslem, dann wird das auch erwähnt, egal ob es für den Sachverhalt relevant ist oder nicht. Hier lassen sich Anzeichen einer Stigmatisierung erkennen, die an die Formen der antisemitischen Propaganda im 19. Jahrhundert erinnern.

Jeder sieht nur das, was er gerne sehen will. Was dem etablierten Islambild widerspricht, das wird gerne übergangen.

Wenn sich bestimmte Wirklichkeitsausschnitte nicht mehr ignorieren lassen, kommt es zu einer Art Reparatur der etablierten Weltsicht. Dies ist ein Automatismus, dem wir unterliegen und den wir uns bewusst machen müssen. Fakten, die den üblichen Erwartungen, d.h. den Stereotypen, widersprechen, können schnell und bequem wieder in das stereotype Licht zurückgerückt werden.[21] Am Beispiel Benazir Bhuttos lässt sich der Mechanismus veranschaulichen: Als Bhutto 1988 in Pakistan Ministerpräsidentin wurde, widersprach dies der gängigen Erwartung von der Rolle der muslimischen Frau. Um diese "Wahrheit" nicht revidieren zu müssen, wurden verschiedene Erklärungen angeboten, warum Bhutto in dieses Amt gekommen war. Es wurde hingewiesen auf "das Erbe ihres Vaters", den "Analphabetismus der Leute", auf ihre "Ausbildung in Oxford" und auf eine "Wahlstrategie der Schiiten", deren unterstützendes Verhalten wohl besonders erklärungsbedürftig war. Alles in allem konnten viele Erklärungen angefügt werden, so dass die Meinung, eine solche Position stehe für eine Frau im Widerspruch zum Islam, nicht in Frage gestellt werden musste.

Diese Mechanismen liegen im System der Medienwirklichkeit begründet, und weniger an islamophoben Mächten hinter den Medien, so ihre These...

 

Das vorstellbare Szenario einer Bedrohung durch den Islam und dessen Vertreter ist ein fataler Mechanismus, der durch einzelne Taten, die Fokussierung darauf und unsere verallgemeinernde Interpretation immer wieder neue Nahrung erhält. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass es keine Verschwörung gegen den Islam und die Muslime gibt, wie es Islamisten gerne behaupten.

Fazit:

Bei der Darstellung des Islams handelt es sich um einen diskriminatorischen Diskurs ähnlich dem über die Juden im 19. und frühen 20. Jahrhundert – und dies nicht nur in Bezug auf die verwendeten Metaphern. Effektives Handeln gegen eine konfrontative Entwicklung setzt Erkenntnis der ungünstigen Wechselwirkung voraus, um konstruktive Lösungen erarbeiten zu können und dafür benötigen wir Menschen, die bereit sind, den anderen jeweils in seinen – wie auch immer zustande gekommenen – Nöten, Bedenken, Wünschen und Ideen ernst- und anzunehmen und uns nicht von bisherigen Fehlentwicklungen entmutigen zu lassen.-

--

ganzer Vortrag unter:

Quelle1 Quelle2

 

 

 

Post 04.04.2008 22:31:52 
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ihrkenntmichsch...
Aktives Mitglied


Joined: 04 Dec 2007
Posts: 137

danke kamaane rostam. sehr aussagekräftig, imformierend und vor allem richtig! ! !

Post 05.04.2008 16:46:32 
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AfghanTears
Aktives Mitglied


Joined: 16 Oct 2007
Posts: 1418
Location: da wo du nicht bist^^ in meinem schönen zimma

interressant interressant...


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You can fall in the water, you can fall of a tree but the best way to fall is to fall IN LOVE WITH ME...

Post 05.04.2008 20:37:33 
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kamaaneRostam
Aktives Mitglied


Joined: 15 Nov 2007
Posts: 170
Der Spiegel als ein Spiegel der Gesellschaft...

     

     

     

 

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Post 03.06.2008 19:54:07 
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AfghanGirl24
VIP


Joined: 19 Feb 2005
Posts: 1853
Location: Wunderland

Schaut Euch mal bitte dieses Video an!

Hagen Rether über den Islam!


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"Raftam ma ra bebakhsh o mago o wafa nadasht, rahe ba joz gorezo barayam namanda bud, ien eshqe atashin o por az ranj o dard o gham, dar waadiye gunah o jununam kashida bud, ay eshqe atashin por az ranj o dard o gham..." Ahmad Zahir

Post 03.06.2008 22:42:11 
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Marylicious
Goldmitgliedschaft


Joined: 21 Jan 2007
Posts: 1165

schön dass jemand mal gegen den strom schwimmt und evrsucht den menschen die augen zu öffnen...gibts es nochmehr sachen von hagen rether bezogen auf das thema?!


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Da wo ich bin ist immer vorne!Bin ich einmal hinten,ist hinten vorne!

Post 20.06.2008 13:11:26 
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