Morden im Namen der Ehre?
Prae Scriptum: „Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.“ (George Bernhard Shaw, irischer Schriftsteller, 1856-1950)

Der Trauerzug für die von ihrem Bruder ermordete Morsal Obeidi (16) (Foto: dpa)
Die Geschichte von Morsal Obeidi, 16, hat den Beigeschmack einer billigen TV-Soap – so viele Klischees werden mit einem Schlag bedient. Nur leider ist die Geschichte wahr: Ein junges Mädchen aus Afghanistan zieht mit der Familie nach Hamburg. Der Vater, einst stolzer MIG-Pilot, schlägt sich als Bushändler durch. Bruder Ahmad hat Integrationsschwierigkeiten und schlägt lieber seine Mitmenschen und eine kriminelle Karriere ein. Er wird in den Akten als „Intensivstraftäter“ geführt. Morsal hingegen will das freie Leben in der Heimat Hamburg genießen. Sie liebt es, sich zu schminken, will selbst entscheiden, wen sie wann trifft.
Zwei Lebenswelten krachen aufeinander: Orient und Europa, archaische Tradition und Moderne, Patriarchat und Selbstbestimmung. Es kommt zu häuslicher Gewalt. Morsal ruft die Polizei, der Jugendnotdienst greifen ein. Es hilft nichts. Am Ende lauert Bruder Ahmad ihr auf und sticht über 20mal mit dem Messer zu. Ein Ehrenmord. Wir als Öffentlichkeit sind erschüttert – was hätten wir tun können?
Eine Parallelwelt mitten unter uns

Im Konflikt der Kulturen (Foto: dpa)
Zwangsheirat, Blutrache, Genitalverstümmelung, Ehrenmorde – willkommen in einer anderen Welt. Willkommen in einer Parallelwelt mitten unter uns. Integration? Fehlanzeige – oder bloße Fassade. Und wer sich integrieren will, muss mit Bestrafung rechnen, wie Morsal. Immer wieder trifft es dabei die Frauen. Denn sie sind diejenigen, die vom Leben in der westeuropäischen Welt am meisten profitieren. Genau darin aber liegt die Krux: Sie wissen es – und die Männer wissen es auch. Denn die Frauen entgleiten mit der neugewonnenen Freiheit dem Zugriff der Ehemänner, Onkel und Brüder. Sie entgleiten der Kontrolle durch die Familie und einem archaischen Wertesystem.
Den Frauen zu helfen, ist eine Sache. Der Umgang mit den (potentiellen) Tätern eine andere. Und hier versagen wir und unsere Justiz regelmäßig, wie eine aktuelle Liste des Magazins „Stern“ (siehe Link unten) veranschaulicht: Da wird Gewalt in einer deutsch-marokkanischen Ehe per Gericht bagatellisiert, weil es „für diesen Kulturkreis (...) nicht unüblich (ist), dass der Mann gegenüber der Frau ein Züchtigungsrecht ausübt“. Da wird der Mord an einem kurdischen Paar zum „Totschlag“ herunter gehandelt, weil man den durch ihre „heimatlichen Wertvorstellungen“ beeinflussten Tätern zubilligt, dass ihnen „nicht bewußt gewesen (ist), dass ihre Beweggründe objektiv als besonders verwerflich und sozial rückhaltlos anzusehen sind“. Großartig, oder? Wir vergangenheitsgebeutelten Gutmenschen schaffen es, aus Angst vor der Konfrontation mit dem Fremden sogar unser Rechtssystem auszuhöhlen. Wie war das noch: „(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin. „Hoppla, das steht ja so im Grundgesetz! Sollten wir uns nicht daran halten?“
Was ist mit Multikulti?

Der Koran (Foto: dpa)
Ja, aber was ist denn mit Multikulti, dem interkulturellen Austausch, sagen Sie? Sind nicht alle Kulturen gleich viel wert? Nein, sage ich. Wir reden hier nicht über harmlose Folklore und exotische Rituale, wir reden über Gewalt bis hin zum Mord. Und alles im Namen der Ehre. Damit reden wir im Gegenzug auch über die geistig-kulturellen Errungenschaften Westeuropas. Sie stehen mit jeder auch nur ansatzweise tolerierten Gewalttat auf dem Prüfstand. Sie gilt es zu verteidigen. Stichworte: Aufklärung, Menschenwürde, Menschenrechte.
Ein Orientale, der mit Berufung auf den Koran seine Frau verprügelt oder Brüder, die einen Ehrenmord begehen, gilt es als das zu behandeln, was sie sind: als Schläger, als Mörder. Und wenn Sie keine Reue zeigen, fragen Sie? Wie wollen wir jemanden gerecht bestrafen, wenn er keine Schuldgefühle hat? Dann sperren wir ihn weg – zum Wohl aller. Aufklärungsarbeit gut und schön, aber Mitleid mit den Tätern ist hier fehl am Platz. Dummheit, Höhlenmenschen-Gehabe und religiös-geistige Umnachtung sind keine Entschuldigung. Ebenso ist es nicht zu entschuldigen, wenn wir unsere eigenen, universalen Werte von Gleichheit und Gerechtigkeit nicht schützen. Oder was meinen Sie?
Gespannt Ihr Claus Dreckmann
Quelle: www,bunte.de
-
Salam,
was haltet Ihr von dem Artikel ?
Was soll die Gesellschaft Eurer Meinung nach tun und wieweit liegt es überhaupt in ihrem Einflussbereich, dass kein Mensch durch einen anderen der "Ehre" wegen umgebracht wird ?
Khoda hafez
Deutsch68