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Muhasabat un-Nafs, die Abrechnung mit sich selbst

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Joined: 02 Apr 2004
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15.03.2006 00:28:29 
      
Demian
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Joined: 19 Nov 2003
Posts: 2668
Muhasabat un-Nafs, die Abrechnung mit sich selbst

Dieser Artikel wurde im September 2004 in die 57. Ausgabe der Zeitschrift "Die Barmherzigkeit" aufgenommen.
Mit dem Namen Allahs, des Barmherzigen, des Erbarmers


Muhasabat un-Nafs, die Abrechnung mit sich selbst

Gelobt sei Allah, der die Regungen der Herzen kennt, der Grosse, dessen Grösse weder wahrnehmbar noch vorstellbar ist. Gesegnet sei Allahs Gesandter Muhammad, das Vorbild für die Menschen. Viele von uns haben wahrscheinlich das Gefühl, dass in all den Jahren, in denen wir als Muslime gelebt haben unser Iman kaum gewachsen ist, dass wir nicht viel über den Islam gelernt haben und dass wir bei der Verrichtung der Ibadat oft etwas zur Nachlässigkeit tendieren. Vor einiger Zeit habe ich von meinem Bruder gelernt, wie man sich als Muslim systematisch verbessern kann. Muhasabat un-Nafs, die Abrechnung mit sich selbst, ist keine neue Vorgehensweise, sie geht zurück auf den Propheten, Allah segne ihn und spende ihm Heil, und wurde von den Sahaba intensiv praktiziert. Die Abrechnung mit sich selbst möchte ich euch näherbringen, liebe Brüder und Schwestern, in der Hoffnung auf Allahs Vergebung und Lohn.
"Klug ist derjenige, der sich selbst zur Rechenschaft zieht und nach dem strebt, was ihm nach dem Tode zum Wohl gereichen wird; und unfähig ist derjenige, der Sklave seiner Begierden bleibt, und sich wünscht, von Allah belohnt zu werden, ohne dafür etwas zu tun."
(Überliefert nach Tirmidhi)

Dieser Hadith ist eine Empfehlung des Propheten, dass wir vor uns selbst Rechenschaft ablegen sollen, bevor wir Rechenschaft vor Allah ablegen müssen. Denn nach unserem Tod, und unser Tod kommt sicher, müssen wir uns vor Allah für unsere Taten verantworten. Allah, der Herrscher am Tag der Auferstehung, wird über uns richten, nachdem er uns in diesem Leben geprüft hat. Wie können wir uns besser auf diesen Tag vorbereiten als durch wiederholte Selbstbeurteilung und die konsequente Umsetzung der gewonnenen Erkenntnis?
"Kein Mensch wird sich von seiner Stelle am jüngsten Tag bewegen, bis er gefragt wird nach seinem Leben, wie er es verbrachte? Nach seinem Wissen, was er damit machte? Nach seinem Vermögen, wie er es erwarb und ausgab? Nach seinem Körper, wie er ihn abnutzte?"
(Überliefert nach Tirmidhi)

Für die Abrechnung mit uns selbst ziehen wir uns an einen Ort zurück, an dem wir alleine und ungestört sind. Wer eine Familie hat, sollte sich einschliessen, und sich für 2 Stunden abmelden. Jetzt stellen wir uns verschiedene Fragen zu unserer Person und zu unserem Leben. Zu den Antworten auf diese Fragen machen wir uns Notizen.
1. Habe ich meine elementaren Pflichten gegenüber Allah erfüllt? Verrichte ich meine Gebete regelmässig und andachtsvoll? Wie reinige ich mich nach der Toilette? Sind meine Kleider jeweils rein von Nadschasa? Führe ich Wudu richtig aus? Wie verhalte ich mich während meinen Fastentagen? Entrichte ich die Zakat?
2. Wie habe ich mich den Menschen gegenüber verhalten, die mir nahe stehen? Meinen Eltern, meinem Ehepartner und meinen Kindern gegenüber? Wann habe ich meiner Frau das letzte Mal Blumen gebracht und ihr gesagt, wie sehr ich sie liebe? Habe ich meine Verwandten vernachlässigt?
3. Wie habe ich mich den Menschen gegenüber verhalten, mit denen ich Kontakt hatte? Bei der Arbeit, in der Moschee, in der Nachbarschaft oder auf der Strasse? Wie verhalte ich mich bei Gesprächen? Habe ich Streit gesät zwischen den Menschen oder Gerede verbreitet? Habe ich gelogen? Wie ist mein Auftreten? Bin ich zeitweise überheblich, hochmütig oder gar arrogant?
4. Vernachlässige ich meinen Körper? Esse ich gesund und halal? Treibe ich Sport? Wie ist meine äussere Erscheinung? Bin ich für meinen Ehepartner immer noch attraktiv?
5. Wie verdiene ich meinen Lebensunterhalt? Wie gebe ich mein Geld aus?
"Seid ihr etwa zufrieden mit dem diesseitigen Leben anstelle des Jenseits?! Die Freuden und Gebrauchsgüter des diesseitigen Lebens sind neben dem Jenseits sicherlich unbedeutend!"
(9:38)

Diese Worte aus dem Qur'an sind sehr deutlich. Lasst sie euch auf der Zunge vergehen und denkt darüber nach!
6. Wieviel habe ich mit Haram-Gütern zu tun?
7. Weiss ich genug um meine grundlegenden Pflichten gegenüber Allah zu erfüllen und um meine Kinder zu erziehen? Bemühe ich mich darum mehr zu lernen? Gebe ich mein Wissen an andere weiter?

8. Jeder wird durch Allah geprüft. Was ist meine Prüfung? Wie habe ich mich während meiner Prüfung verhalten?

9. Wenn ich jetzt sterben würde, was hätte ich zu vergegenwärtigen? Bin ich bereit zu sterben oder gibt es noch Verfehlungen, die ich wieder gut machen muss, oder ausgeliehene Sachen, die ich schon lange zurückgeben sollte?
Nachdem man sich diese Fragen beantwortet hat, kann man sich auch noch Gedanken machen über die guten Taten, die man verrichtet hat. Dabei sollte man sich nicht zu sehr auf den eigenen Lorbeeren ausruhen, sondern sich fragen, ob man vielleicht einige dieser Taten nicht um Allahs Lohn sondern für das Ansehen unter den Menschen gemacht hat.

All unsere Verfehlungen und Charakterschwächen, die uns durch unsere Abrechnung nun bewusst werden, mögen uns erschrecken. Wir sehen, dass wir das Steuer herumreissen müssen in unserem Leben, um unsere Verfehlungen in Zukunft zu vermeiden. Unsere Notizen bilden jetzt die Grundlage für die nächsten Schritte.
In seiner Gnade und seiner Güte hat uns Allah Wege aufgezeigt, wie wir die Vergebung unserer Sünden erlangen können. So hat Prophet Muhammad, Allah segne ihn und spende ihm Heil, gesagt:

"Jeder Mensch, der eine Sünde begeht, sich danach reinigt durch Wudu, zwei Rak'a betet und Allah ta'ala um Vergebung bittet, dem werden seine Sünden verziehen."
Dann rezitierte er (3:135-136):
"Und diejenigen, die wenn sie etwas Schändliches getan haben oder gegen sich gesündigt haben, Allahs gedenken und für ihre Sünden um Verzeihung flehen - und wer vergibt die Sünden ausser Allah? - und diejenigen, die nicht auf dem beharren, was sie wissentlich taten; für diese besteht ihr Lohn aus Verzeihung von ihrem Herrn und aus Gärten, durch die Bäche fliessen; darin werden sie ewig sein."
(Überliefert nach Nasai und Abu Dawud)

Wir sollten also nicht aufhören, Allah um Vergebung zu bitten, gutes zu tun, zu spenden und Allahs Gebote und Verbote zu beachten.
Durch die Abrechnung mit uns selbst, durch das Erkennen unserer Verfehlungen, durch die Bitte um Vergebung, und durch die Korrektur unserer Unzulänglichkeiten können wir unser Iman stärken. Daraus folgt, dass wir unsere Ibadat aus tiefer Überzeugung verrichten. Die Stärkung unseres Iman wird sich nicht nur auf das Jenseits auswirken sondern auch ganz direkt auf unser diesseitiges Leben. Es wird uns leichter fallen, in einer Welt zu leben, in der nur Leistung und die Anhäufung materieller Güter zählen, in der sich der Muslim als Fremder und nur vorübergehend aufhält.


_________________
Unsern Zustand und der liebsten Abschied und des Feindes Drang - Alles weiss Allah, der es wird zum besten kehren: zage nicht.

17.01.2008 20:46:29 
      
Fereshtajan
Aktives Mitglied


Joined: 27 Aug 2005
Posts: 260

Salam,

 es ist mashallah sehr gut geschrieben! Hat mir sehr gefallen... 


_________________
la elaha ela anta sobhanaka ini kontom menaz zalemin

02.03.2008 13:39:20 
      
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