Liebe Geschwister!
Heute feiern die Muslime den „Id Al-Adha“, den Tag des großen Opferfests. Man betet das Festgebet und schlachtet das Opfertier im Namen Allahs in Befolgung der Sunna des Gesandten Muhammads (s.). Doch was bedeutet das Opferfest und auf wen geht es eigentlich zurück?
Viele von euch wissen, dass man mit dem Opferfest eines ehrwürdigen Propheten gedenkt, den Allah, der Erhabene, als Stammvater zahlreicher Propheten und Gesandten auserwählte. Auch Muhammad, Friede sei mit ihm, ist einer seiner Nachkommen. Dies ist der Prophet Ibrahim (a. s.), der Diener und Freund Allahs.
Das Schlachten eines Opfertiers am hohen Festtag geht auf das Ereignis zurück, als Allah (t.) dem Propheten Ibrahim im Traum befahl, seinen eigenen Sohn zu schlachten. Obwohl Ibrahim (a. s.) sich anfangs fragte, ob es vielleicht ein Alptraum sein könnte, erschien ihm der Traum insgesamt dreimal, wie es Al-Qurtubiy von Muqatil berichtet, so dass er wusste, dass es sich dabei um einen tatsächlichen Befehl Allahs (t.) handelte und um keine Eingebung des Teufels.
Ibrahim (a. s.) fragte daraufhin seinen Sohn, was er davon halte und bekam die Antwort eines tiefgläubigen, gehorsamen Menschen, der bereit war, auf den Befehl Allahs hin sein eigenes Leben zu opfern. Der Sohn sprach: „O mein Vater! Tu, was dir befohlen wird, du wirst mich, so Gott will, unter den Standhaften finden.“ (37:102) Als sich nun beide dem Befehl Allahs fügten und Ibrahim die Stirn seines Sohnes zu Boden legte, um ihn zu schlachten, rief Allah ihm zu, dass er den Traum erfüllt habe und es erschien ein großes Opfertier, das Ibrahim (a. s.) anstelle seines Sohnes schlachten sollte.
Der Koran schildert uns dieses Ereignis in trefflicher Weise, so heißt es in Sure As-Saffat 37, Vers 100-110:
„Dann gaben Wir ihm (Ibrahim) die Frohbotschaft von einem sanftmütigen Sohn. (101) Als dieser alt genug war, um mit ihm zu ziehen, sagte er: ‚O mein Sohn, ich sehe im Traum, dass ich dich schlachte. Nun schau, was meinst du dazu?‘ Er sagte: ‚O mein Vater! Tu, was dir befohlen wird, du wirst mich – so Allah will – unter den Standhaften finden.‘ (102) Als sich nun beide (Allahs Willen) ergaben und er ihn mit der Stirn zu Boden legte (103), riefen Wir ihm zu: ‚O Ibrahim, (104) du hast das Traumgesicht bereits erfüllt.‘ Also belohnen Wir die Rechtschaffenen. (105) Siehe, dies ist wahrlich eine schwere Prüfung. (106) Und Wir lösten ihn (den Sohn) durch ein großes Schlachttier aus. (107) Und Wir bewahrten sein (Ibrahims) Gedenken in den späteren Geschlechtern. (108) Friede sei auf Ibrahim! (109) Also belohnen Wir die Rechtschaffenen. (110)“
Dieses Ereignis ist ein Manifest des bedingungslosen Gehorsams gegenüber Allah. So blieb Ibrahim (a. s.) für lange Zeit kinderlos. Schließlich schenkte ihm Allah einen Sohn, was ihm große Freude bereitete. Kaum aber war dieser den Kinderschuhen entwachsen, befahl ihm Allah, seinen Liebsten, sein eigen Fleisch und Blut, zu schlachten. Der Erhabene gab ihm dafür keine nähere Erklärung. Der Befehl erschien ihm nur in Gestalt eines Traumes - ohne irgendeine weitere Erläuterung.
Rational ergibt dieser Befehl für den Menschenverstand keinen Sinn. Er erscheint vollkommen unverständlich, insbesondere dann, wenn man die Vorgeschichte betrachtet, in der Ibrahim lange Zeit auf einen Sohn warten musste, ehe Allah ihn damit beglückte. So lässt ihn Allah erst lange Zeit kinderlos bleiben, schenkt ihm dann endlich einen Sohn und befiehlt ihm daraufhin, diesen zu schlachten. Ergibt das für uns Menschen einen Sinn?
Obwohl Ibrahim (a. s.) sich über den Befehl wunderte und Anfangs dachte, es könnte ein teuflischer Alptraum sein, fügte er sich diesem bedingungslos, sobald ihm klar wurde, dass es tatsächlich ein Befehl Gottes war.
Genau darin manifestiert sich der bedingungslose Gehorsam Allah, dem Erhabenen, gegenüber: Ibrahim (a. s.) gehorcht Allah (t.) nicht nur dann, wenn ihm der Befehl logisch und plausibel erscheint, sondern auch in jenen Angelegenheiten, deren Sinn er mit seinem begrenzten, menschlichen Verstand nicht begreifen kann. Darin bestand für ihn auch die göttliche Prüfung, wie es Allah (t.) in den Versen darlegt: „Siehe, dies ist wahrlich eine schwere Prüfung.“ (37:106)
Nachdem Ibrahim (a. s.) diese Prüfung bestanden und seinen Gehorsam gegenüber Allah bewiesen hatte, verdiente er auch das Attribut des Rechtschaffenen, das Allah ihm verlieh. So sagt der Erhabene: „Also belohnen Wir die Rechtschaffenen.“ (37:105)
Wie sich später herausstellte, wollte Allah gar nicht, dass Ibrahim (a. s.) seinen Sohn verliert; Er wollte lediglich ihre Standhaftigkeit und ihren bedingungslosen Gehorsam Ihm gegenüber prüfen.
Dieses Ereignis, das im Koran so trefflich beschrieben wird, macht deutlich, dass sich der wahre Gottesgehorsam nicht darin zeigt, etwas zu tun, was einem logisch und plausibel erscheint. Er zeigt sich vielmehr dann, wenn man den Sinn des Befehls nicht wirklich begreifen kann und trotzdem gehorcht. Dies legt auch die eigentliche Bedeutung des Wortes „Islam“ dar, nämlich die bedingungslose und vollkommene Unterwerfung unter den Willen Allahs.
Wenn wir heute das Opferfest feiern, so feiern wir doch im Grunde diesen bedingungslosen, vollkommenen Gehorsam Allah, dem Schöpfer, gegenüber. Und genau diesen Gehorsam gilt es zu erfüllen, indem wir Allah in all Seinen Geboten Folge leisten, ohne einige gegenüber den anderen wegen ihrer Leichtigkeit oder wegen ihrer rationalen Nachvollziehbarkeit vorzuziehen.