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Sonette
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Joined: 02 Apr 2004
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Post 15.03.2006 00:28:29 
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Saaya
Silbermitgliedschaft


Joined: 25 Oct 2006
Posts: 598
Location: Jenseits von Mensch und Zeit

Sonett Nr. 116



Nie soll für Seelen, die das Leben bindet,
ein Hemmnis gelten. Liebe ist nicht Liebe,
die sich verwandelt, wo sie Wandel findet,
sich treiben ließe, wenn sie einer triebe.

O nein! sie ist das Zeichen, fest gegründet,
das unter jedem Sturme mag bestehn;
der Stern ist sie, der jedem Schiffe zündet,
sein Stand nur läßt sich, nicht sein Wert ersehn.

Die Liebe trotzt der Zeit, ist auch die Glut
von Wang und Mund in ihren Kreis gebannt;
die Liebe wechselt nicht mit Ebb und Flut,
sie dauert fort bis an der Zeiten Rand.

Wenn einer dies als falsch erweisen kann,
so schrieb ich nie, noch liebte je ein Mann.

Shakespeare


_________________
Gestern ist ein Traum, der nimmer wiederkehren wird.

Post 12.04.2007 07:12:19 
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Khayyaam
VIP


Joined: 04 Nov 2005
Posts: 9817

Wie ist das Tageslicht so fahl ?
Der Sonne Glanz hat keine Macht,
Und blass vergilbt erscheint ihr Strahl,
Als leuchte er durch trübe Nacht.
Entzieht die Sonne mir ihr Licht ?
Lässt sie die Welt so fahl und bleich?
O nein - die Sonne flieht mich nicht;
Sie scheint nur düster im Vergleich;
Denn Dich umgibt so schöner Glanz
Der alles wunderbar erhellt,
Dass er das Licht der Sonne ganz
Verblassen lässt. - Auf dieser Welt
Bist Du der hellste Stern für mich.
Ich glaube fast, ich liebe Dich (Mambres).

Post 12.04.2007 11:09:05 
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Saaya
Silbermitgliedschaft


Joined: 25 Oct 2006
Posts: 598
Location: Jenseits von Mensch und Zeit

Ein Blick von deinen Augen in die meinen,
Ein Kuß von deinem Mund auf meinem Munde –
Wer davon hat, wie ich, gewisse Kunde,
Mag dem was anders wohl erfreulich scheinen?

Entfernt von dir, entfremdet von den Meinen,
Führ ich stets die Gedanken in die Runde,
Und immer treffen sie auf jene Stunde,
Die einzige; da fang ich an zu weinen.

Die Träne trocknet wieder unversehens:
Er liebt ja, denk ich, her in diese Stille –
Und solltest du nicht in die Ferne reichen?

Vernimm das Lispeln dieses Liebewehens;
Mein einzig Glück auf Erden ist dein Wille,
Dein freundlicher zu mir – gib mir ein Zeichen!

Goethe


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Gestern ist ein Traum, der nimmer wiederkehren wird.

Post 09.05.2007 07:31:17 
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Khayyaam
VIP


Joined: 04 Nov 2005
Posts: 9817

[Die sanften Engelsfrätzchen]1)

Hüt' dich, mein Freund, vor grimmen Teufelsfratzen,
   Doch schlimmer sind die sanften Engelsfrätzchen.
   Ein solches bot mir einst ein süßes Schmätzchen,
   Doch wie ich kam, da fühlt ich scharfe Tatzen.

Hüt' dich, mein Freund, vor schwarzen, alten Katzen,
   Doch schlimmer sind die weißen, jungen Kätzchen.
   Ein solches macht' ich einst zu meinem Schätzchen,
   Doch tät mein Schätzchen mir das Herz zerkratzen.

O süßes Frätzchen, wundersüßes Mädchen!
   Wie konnte mich dein klares Äuglein täuschen?
   Wie konnt' dein Pfötchen mir das Herz zerfleischen?

O meines Kätzchens wunderzartes Pfötchen!
   Könnt' ich dich an die glüh'nden Lippen pressen,
   Und könnt' mein Herz verbluten unterdessen!

(Heinrich Heine) 



1)Überschrift von Khayyaami eingefügt.
    Aus: Fresko-Sonette an Christian S., VII

Post 09.05.2007 10:16:29 
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Saaya
Silbermitgliedschaft


Joined: 25 Oct 2006
Posts: 598
Location: Jenseits von Mensch und Zeit

Sonett 18

Soll ich Dich einem Sommertag vergleichen?
Nein, Du bist lieblicher und frischer weit -
Durch Maienblüthen rauhe Winde streichen
Und kurz nur währt des Sommers Herrlichkeit.

Zu feurig oft läßt er sein Auge glühen,
Oft auch verhüllt sich seine goldne Spur,
Und seiner Schönheit Fülle muß verblühen
Im nimmerruh'nden Wechsel der Natur.

Nie aber soll Dein ewiger Sommer schwinden,
Die Zeit wird Deiner Schönheit nicht verderblich,
Nie soll des neidischen Todes Blick Dich finden,
Denn fort lebst Du in meinem Lied unsterblich.

So lange Menschen athmen, Augen sehn,
Wirst Du, wie mein Gesang, nicht untergehn.

Shakespear


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Gestern ist ein Traum, der nimmer wiederkehren wird.

Post 11.03.2008 21:49:03 
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