Filmteam dreht Konzert mit 600 Statisten in Köln
Einmal Bollywood hautnah erleben
Von Stephanie Berling
Gerade eben haben in der Kölner Agneskirche noch die Glocken geläutet. Jetzt schmettert, da wo sonst in etwa der Altar steht, der indische Superstar Himesh Reshammiya schon seinen neuesten Song ins Mikro. Rund 600 Statisten jubeln ihm zu.

Die Fans machen sich warm
Mancher Anwohner des Kölner Agnesviertels wird sich beim Frühstück vor Schreck am Kaffee verschluckt haben. Ist eben ordentlich laut, wenn rund 600 Menschen auf dem Platz vor der Haustür auf Kommando kreischen. Die Statisten Gabriela, Robin und Raphael haben Spaß dabei. Sie sind extra aus Freiburg angereist, "wegen der Inder, der tollen Musik und auch einfach just for fun". Michael vom Filmteam jedenfalls ist begeistert. "Das macht ihr super", ruft er der Menge zu.
Die meisten wollen an diesem Mittwoch (14.03.07) Bollywood, das gefühlvolle und farbenfrohe Kino aus Indien, einmal hautnah miterleben. Ein bisschen Geduld müssen die Statisten allerdings noch aufbringen, bevor sie im Gotteshaus beim Rockkonzert des indischen Superstars erneut ausflippen dürfen.
Und auf dem Kirchplatz riecht's nach Curry

Der Inder mag Curry und ist gemütlich
Vor der Agneskirche warten auch Pergash und Aziz auf den Drehstart. Die indischen Tänzer ziehen sich in aller Ruhe einen Kaffee aus dem Automaten. Deutschland und seine Leute mögen sie - "und das Klima, hier ist's nicht so heiß". Pergash geht zum Koch hinüber. "Hey guys, what's up?", fragt Lolly Röpstorff und streut noch etwas Salz auf das Huhn in der Pfanne. Er mag "den Inder an sich, das ist ein ganz gemütlicher Typ". Essenstechnisch sei er nicht unbedingt wählerisch. "Heute gibt's ausnahmsweise mal wieder Chickencurry", sagt Röpstorff lachend. Zweimal täglich brutzelt er während der vier Drehtage für die indischen Mitglieder der 170-köpfigen Filmcrew Curryhähnchen. Weshalb sich vor dem Kirchportal hartnäckig der Geruch des indischen Nationalgewürzes hält.
Noch schnell die Brust pudern

Rund 60 Tänzer machen sich warm
"Oh Mann, wie aufregend" - endlich dürfen die 600 Statisten in die mit Kameras, Bühne und Scheinwerfern ausgestattete Kirche. Eine Frau ist mit indisch-farbenfrohem roten Shirt und blauem Stirnpunkt bekleidet, ein Typ mit Anzug, viele einfach ganz normal. Drinnen machen sich die 60 Tänzer in Glitzerkleidern schon warm. Die "Konzertbesucher" üben auch nochmal, während testweise die 500 Kilogramm schwere Kamera über die kreischende und klatschende Menge hinwegfegt.
Dann betritt Himesh Reshammiya die Bühne. Ein bisschen playback "einsingen", dann kann's losgehen. Die Tänzer stylen schnell noch ihre Haare mit Wasser. Dem Star selbst wird rasch die Brust gepudert. "Und action"... Die Musik dröhnt durch das Gotteshaus, der Star schaut lasziv in die ausgelassene Menge, bevor er seinen x-ten Megahit anstimmt. Wie es sich für Bollywood gehört, fliegen dazu abertausend kleine glitzernde Schnipsel durch die Luft.
Dreharbeiten kurz vor Schluss noch fraglich

Fast kein Konzert in der Kirche
Wäre es nach Kardinal Meisner gegangen, hätten die Bollywoodfans keinen Drehtag so hautnah miterleben können. Das katholische Bistumsoberhaupt wollte die Produktion untersagen, weil sie "mit der Nutzung einer Kirche nicht vereinbar ist", so Sprecher Christoph Heckeley. Da hatte der Gemeindepfarrer sie aber schon vertraglich zugesichert. Obwohl das Bistum der Presse weder das Fotografieren noch Filmen in der Kirche gestattete, "drücken wir dieses Mal ein Auge zu", so Heckeley, "der Film ist ja nicht sittenwidrig oder blasphemisch."
Davon sind Streifen aus Indiens Film-Mekka weit entfernt, auch die Produktion, die zum ersten Mal größtenteils in Deutschland gedreht wird. Der Film über Liebe, Leidenschaft und einen Rockstar, den nur der Protest von Rikscha-Fahrern vor dem Knast bewahrt, soll im Sommer fertig gedreht sein.
Stand: 14.03.2007, 17:00 Uhr
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Eva hat den Apfel nur deshalb gegessen, weil sie endlich Kleider haben wollte. Douglas Jerrold, (1803 - 1857)