Welthungerhilfe bestätigt Tod des Helfers Deutscher in Afghanistan erschossen
Ein Mitarbeiter der Deutschen Welthungerhilfe ist bei einem Überfall in Afghanistan erschossen worden. Die Entwicklungshilfeorganisation bestätigte entsprechende Meldungen aus der Region. Der Mann sei im Rahmen eines Aufbauprogramms zusammen mit einheimischen Helfern unterwegs gewesen, als sie von zwei Bewaffneten überfallen worden seien.
Von Christoph Heinzle, ARD-Hörfunkstudio Südasien, z.Zt. Kabul
Die Gruppe von Mitarbeitern der Deutschen Welthungerhilfe war mit zwei Fahrzeugen in der nordafghanischen Provinz Sar-i-Pul unterwegs. Etwa 50 Kilometer von der Provinzhauptstadt entfernt wurden sie am Nachmittag von zwei Bewaffneten angehalten. Die afghanischen Entwicklungshelfer wurden beraubt und freigelassen, sagte der Polizeichef von Sar-i-Pul. Nach Angaben der Welthungerhilfe wurden die lokalen Mitarbeiter auch beschimpft, dass sie für eine ausländische Organisation arbeiteten.
Deutscher Helfer gezielt getötet
Der Deutsche ist dann in der Nähe des Dorfes Mirza Wolang erschossen worden. "Den Deutschen führten sie in einige Entfernung und töteten ihn mit zwei Kugeln", sagte der stellvertretende Gouverneur Shikeb. Der Deutsche war für einen Kurzzeiteinsatz in Afghanistan unterwegs, um Baustellen gemeinsam mit einheimischen Ingenieuren zu besichtigen, teilte die Welthungerhilfe mit. Die Organisation baut im Norden Afghanistans Schulen, Brücken und Krankenhäuser wieder auf. Die Organisation ist bereits länger in Sar-i-Pul aktiv und in Afghanistan seit 1980 vertreten.
Innenministerium vermutet kriminellen Hintergrund
Soldaten der Nato-geführten Schutztruppe Isaf wurden nach Sar-i-Pul entsandt. Die Polizei fahndete mit 50 Beamten nach den Tätern und durchsuchte Häuser. Welcher Gruppe die Täter angehören könnten oder welches Motiv hinter der Tat steht, ist noch unklar. Taliban und andere extremistische Gruppen sind im Norden Afghanistans kaum aktiv. Das afghanische Innenministerium sprach von "bewaffneten Dieben". Entwicklungshelfer beklagten seit vergangenem Jahr immer wieder die Zunahme krimineller Übergriffe im Norden.
Erster deutscher Entwicklungshelfer getötet
Es ist das erste Mal seit Sturz der Taliban Ende 2001, dass in Afghanistan ein deutscher Entwicklungshelfer ums Leben kam. Im vergangenen Jahr waren allerdings - ebenfalls in Nordafghanistan - zwei Mitarbeiter der Deutschen Welle erschossen worden. Karen Fischer und ihr Lebensgefährte Christian Struwe befanden sich Anfang Oktober auf einer privaten Recherchereise und übernachteten in einem Zelt in einer abgelegenen Gegend der Provinz Baghlan. Bis heute ist ungeklärt, wer das Paar ermordet hat. Trotz Appellen der Vereinten Nationen und der Bundesregierung und Beteiligung des Bundeskriminalamtes blieben die Ermittlungen ohne konkretes Ergebnis.

2004 hatte die internationale Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" die Ermordung von Mitarbeitern zum Anlass genommen, komplett aus Afghanistan abzuziehen. Neben zwei Afghanen, waren damals auch eine Belgierin, ein Norweger und ein Niederländer ums Leben gekommen. Die afghanischen Behörden hätten die Tat nicht entschlossen verfolgt, so der Vorwurf der Organisation damals, und das obwohl es angeblich klare Hinweise auf lokale Kommandeure als Täter gebe. "Ärzte ohne Grenzen" zog als erste große Hilfsorganisation Konsequenzen aus der Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan.