Die Opiumproduktion in Afghanistan wird den Vereinten Nationen zufolge in diesem Jahr ein Rekordhoch erreichen. Das Land werde 92 Prozent der weltweiten Nachfrage nach dem Grundstoff der Droge Heroin befriedigen, teilte das UN-Büro zur Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (Unodoc) mit.
Demnach wächst die Anbaufläche in diesem Jahr um 59 Prozent. Dort würden 6.100 Tonnen Opium geerntet werden. Der Anstieg geht den Angaben nach besonders auf die südlichen Provinzen zurück, wo die radikalmoslemischen Taliban zunehmend Anschläge gegen die vom Westen unterstützte Regierung verüben. Nur in wenigen Provinzen - die meisten im Norden - nehme der Anbau etwas ab.
"Dies sind sehr alarmierende Zahlen", sagte Unodoc-Chef Antonio Maria Costa. Der Süden Afghanistans zeige Symptome eines Zusammenbruchs: Drogenanbau und -Handel im großen Stil, Terrorismus, Verbrechen und Korruption. In anderen Provinzen, vor allem im Nordosten, stünden hinter dem Anstieg der Opiumproduktion vor allem die geringe Macht der Regierung, Armut und der Einfluss von Kriegsherren.
"Die Öffentlichkeit ist zunehmend frustriert wegen der Tatsache, dass der Opiumanbau in Afghanistan außer Kontrolle ist", erklärte Costa. "Die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Investitionen der Länder in der von den USA geführten Koalition haben keine große sichtbare Wirkung auf den Drogenanbau." Deshalb schüre afghanisches Opium Aufstände in Westasien, nütze internationalen Mafiaorganisationen und verursache 100.000 Tote durch Überdosis pro Jahr.
Der Unodoc-Leiter forderte die afghanische Regierung unter Präsident Hamid Karsai auf, stärker gegen den Drogenhandel vorzugehen. Die Koalitionstruppen hätten Polizisten ausgebildet, Gerichtsgebäude und Gefängnisse errichtet. "Nun hat die Regierung die Verantwortung, das Justizsystem zum Durchsetzen des Gesetzes zu nutzen und das Vertrauen in Kabul wiederherzustellen. Bedeutende Verhaftungen und Verurteilungen werden ein Beispiel geben und als Abschreckung dienen."
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