--- quoted from "Deutsch68" -
Einerseits stimme ich dir zu, aber andererseits finde ich schon das gewisse dinge die damit zu tun haben (gewalt, ehrenmorde, etc.) durch Bildung verringert werden können. wenn die jungs, die meinen den "beschützer" für deren schwestern spielen zu müssen, da sie sich sonst nich beweisen können, auch anderweitig erfolge im leben erfahren wie z.B. einen guten job oder einen schulabschluss würden sie wissen das man auch anderweitig aufmerksamkeit erhalten kann.

wie im fall von morsal o. die arme..

sie wurde von ihrem bruder erstochen, weil ihm ihr lebensstil nicht gefiel.

sie hat sich geschminkt und freizügig gekleidet was eine sünde ist. aber trotz allem kann er sie nicht einfach töten.

aber es wird eben oft darüber geredet das er ungebldet und arbeitslos war und die ganze zeit nur auf der strasse abhing mit asozialen freunden die ihm einredeten er habe seine schwester nich "im griff" und er solle gefälligst etwas dagegen tun. er wurde regelrecht gemobbt von seinen angeblichen freunden, welche in meinen augen asozial waren.

immer wieder werden von solchen ereignissen berichtet aber immerwieder hört man das diese leute in ärmlichen verhältnissen leben und keinen schulabschluss haben.

leider.


Comments


aliyah90
aliyah90 44 years ago

--- quoted from "Deutsch68" -
Einerseits stimme ich dir zu, aber andererseits finde ich schon das gewisse dinge die damit zu tun haben (gewalt, ehrenmorde, etc.) durch Bildung verringert werden können. wenn die jungs, die meinen den "beschützer" für deren schwestern spielen zu müssen, da sie sich sonst nich beweisen können, auch anderweitig erfolge im leben erfahren wie z.B. einen guten job oder einen schulabschluss würden sie wissen das man auch anderweitig aufmerksamkeit erhalten kann.

wie im fall von morsal o. die arme..

sie wurde von ihrem bruder erstochen, weil ihm ihr lebensstil nicht gefiel.

sie hat sich geschminkt und freizügig gekleidet was eine sünde ist. aber trotz allem kann er sie nicht einfach töten.

aber es wird eben oft darüber geredet das er ungebldet und arbeitslos war und die ganze zeit nur auf der strasse abhing mit asozialen freunden die ihm einredeten er habe seine schwester nich "im griff" und er solle gefälligst etwas dagegen tun. er wurde regelrecht gemobbt von seinen angeblichen freunden, welche in meinen augen asozial waren.

immer wieder werden von solchen ereignissen berichtet aber immerwieder hört man das diese leute in ärmlichen verhältnissen leben und keinen schulabschluss haben.

leider.

Deutsch68
Deutsch68 44 years ago

Salam,

mehr Bildung führt leider nicht automatisch zu mehr emotionaler Bereitschaft, sich kulturell überhaupt "mehr"/"anders" entwickeln zu wollen. Geht es eigentlich tatsächlich um eine kulturelle Entwicklung oder doch mehr um die Festigung eines zivilisierten Verhaltens ?

In D lebend kann man ja nun wirklich nicht vorwerfen, dass man vom Bildungszugang abgeschottet werden soll. Trotzdem drehen (m.E. viel zu viele; einer ist für mich schon zuviel ! ) Männer unabhängig von ihrer kulturellen Herkunft z.B. im Eifersuchtswahn durch und töten Frau und ggf. noch gemeinsame Kinder, wenn sich die Frau einem anderen Mann zuwendet (oder umgekehrt auch Frauen gegenüber ihren abtrünnigen Männern).

Ist das nun eine Frage von Kultur oder Zivilisation, solche emotionsgesteuerten Ausbrüche in einer individuellen Belastungssituation wirksam unterbinden zu können ?


Scully
Scully 44 years ago

und eine Kultur kann sich nur weiterentwickeln, wenn die Menschen gebildet sind.

Phenomena
Phenomena 44 years ago

Scully, Bildung -wie immer du sie defenierst- ist sicherlich wichtig, doch wir brauchen in erster Linie kulturelle Entwicklung. Wir sind nun mal ein Volk von Schwachmaten, das sich entwickeln muß.

Ich gebe dir ein Beipiel: Egal wo Afghanen versammelt sind, sie schlagen sich die Köpfe ein. Konsens, Kompromiß, etc. sind Fremdwörter für Afghanen.

Ich habe fertig mit Afghanen.

Scully
Scully 44 years ago

@ Phenomena

Wazir Akbar Khan? lol ich habe in Karte-Char gewohnt, und wir hatten auch keine eine Gouvernante gehabt, mit 5 nicht den afghanischen Knigge-Kurs absolviert hat, kann auch keinen Walzer tanzen,  auch keine 50 Diener, 10 Köche gehabt, bin nicht mit der Königsfamilie verwandt und mein Großeltern haben nicht mit Silberbesteck gegessen haben. Und viele im Forum beschweren sich über mich, warum ich in Europa lebe aber altertümlich denke. Du bist die erste, die mich als Deutsche sieht. lol Sehr scharf und kritisch beobachtet.

Was ich Dir aber wohl sagen kann, dass meine Familie zur gebildeten Mittelschicht in Afghanistan gehörte und immer noch gehört und wir durch unser Bildungsniveau vieles erreicht haben, wovon andere träumen. Wir alle führen glückliche Ehen, respektvolle Leben und haben schon immer ein hohes Ansehen in unsere Umgebung gehabt und tun es immer noch. Weiss Du auch warum? Weil wir nicht alle in einem Topf werfen und ihre Ehen so einfach für ungültig erklären. Bildung ist das Schlüsselwort zum Erfolg und nichts anderes. Auf Bildung kann man stolz sein und auf nichts anderes. Jeder Afghane, der Bildung und Verstand hat, wird mit Sicherheit nicht die eigene Frau schlagen oder die eigene Schwester ermorden. Wer gebildet ist, wird sich auch intensiv mit dem Islam, die eigene Kultur und die internen Problemen der Familie widmen und daraus Lehren fürs Leben ziehen und nicht dumm dämmlich durch die Strassen HH ziehen und sich prügeln, und wenn es doch die eigene Schwester trifft, dann Ghairat zeigen und zu schlagen.

Denk mal darüber nach, bevor Du 33% der afghan. Ehen annulierst lol

Phenomena
Phenomena 44 years ago

Scully, na wenn deine Beobachtung nur halbwegs die Realität wiedergeben würde, dann hätten die Afghanen keine Probleme in dieser Gesellschaft. Du gehörst mit Sicherheit zu der Gruppe von Afghanen, die in kabuler Stadtteil Wazir Akbar Khan gelebt hat, eine Gouvernante hatte, mit 5 den afghanischen Knigge-Kurs  absolviert hat, Walzer tanzen kann,  50 Diener hatte, 10 Köche, mit der Königsfamilie verwandt war und die Großeltern bereits mit Silberbesteck gegessen haben. Zum Einkaufen seid ihr natürlich mit dem Privatjet von deinem Dad nach Paris geflogen. Stimmt's?

Übrigens, du bist schon dermaßen deutsch, aber du willst es nicht wahrhaben. Sei froh, denn einige deutsche Eigenschaften werden dir helfen, dein Leben besser zu meistern.

Scully
Scully 44 years ago

Phenomena

so wie Du Deine Beobachtungen hier beschreibst, will ich Dir auch meine Sicht der Dinge erzählen. In meiner Umgebung beobachte ich zahlreiche Familien, sowohl Verwandten als auch Fremde. Sagen wir mal insgesamt 10 Familien. Laut Deiner Beobachtungen müssten 3 Ehen geschieden werden. Laut meiner Beobachtungen werden alle 10 Ehen noch mind 50 Jahren halten, wenn sie nicht sterben. Ich beobachte kluge Frauen, die ihre Kinder mit viel Liebe erziehen, liebevolle Frauen und Männer, die miteinander mit Respekt umgehen, und starke Familien, die alle Hindernissen meisterhaft überleben und doch nicht zerbrechen.

Die Frage ist, welche Beobachtungen sind nun allgemeingültig? Deine oder Meine? Siehst Du deshalb habe nach einer wissenschaftlichen Quelle gefragt, ohne mich als Deutsche zu fühlen.

Phenomena
Phenomena 44 years ago

''da muss ich aber wirklich den Kopf schütteln. 33%? Woher diese merwürdigen Statistiken auf ein Mal herkommen? Quelle? Beweis? oder doch wieder das eigene Gefühl? pfui''
 

Scully, du Statistiker, merkst du gar nicht, wie deutsch du schon geworden bist. Oder ist es eher dein wissenschaftlicher Anspruch? Ich beoabachte und es geht mir auch gar nicht darum, wieviele es sind, denn darauf kommt es doch nicht an. 

''Der Mut der afghanischen Frau liegt in meinen Augen darin, dass sie, im Gegensatz zu ihre Erfahrungen, in vielen afghanischen Familien, die ICH kenne, die führende Persönlichkeit der Familie darstellen, diese Familien leiten und sich auf eine ganz besonders wundervolle Art und Weise um ihre Mitmenschen kümmern.''

Manec, du bringst es auf den Punkt. Die afghanische Frau - und damit meine ich nicht Morsal Obeidi- hält ihre eigene Familie zusammen, kümmert sich rührend um die Belange ihrer Eltern (Manchmal auch Schwiegereltern), der Geschwister und leistet auch meist einen gewaltigen finanziellen Beitrag. Sie organisiert, plant, schuftet, schlichtet, vereint, ist unermüdlich. Nach außen wird das selten sichtbar, denn selbst ihre Leitungen verkaufen Sie als die Ihrer Männer, damit sie im Kollektiv gut erscheinen.

Zum Verständnis, ich rede nicht von den afghanischen Frauen, die hier geboren/aufgewachsen sind. Diese Frauen haben es einfacher, da die Männer der zweiten Generation meist ganz munter und geschmeidig sind. Außerdem würde so ein Mädchen wie Scully ihren unartigen Ehemann mit Statisken erschlagen, und er müsste anschließend die seelischen Hämatome in der Psychiatrie auskurieren.

Manec
Manec 44 years ago

Sie müssen den ganzen Beitrag lesen:

afghanische Frauen, die den Mittelpunkt der Familie bilden und neben ihrem Mann auch Führungsanspruch stellen, sind ein ganz anderer Schlag Mensch. Durch ihren vorgelebten Mut und ihrer warmherzigen jedoch starken Persönlichkeit würden ihre Männer auch in den schlimmsten Situationen niemals dazu in der Lage sein, die Hand gegen diese Frau zu erheben.

Solchen Mut meine ich!

Deutsch68
Deutsch68 44 years ago

Den Typ Frau, von dem Du redest, habe ich auch kennengelernt. Aber meine Bekannten würden sich erst gar nicht schlagen lassen bzw. hätten in einem solchen Fall mit einer Scheidung kein Problem.

Wenn sich Deine Mut-Definition hauptsächlich darauf bezieht, dass die Frau im Sinne einer zielgerichteten, warmherzigen Fürsorge für alle Familienmitglieder agiert, dann unterscheiden sich einfach unsere Definitionen für den Begriff Mut.

Manec
Manec 44 years ago

Was sie so alles lesen, sie lesen MEINEN Beitrag in Zusammenhang mit einem Teil des Beitrages von einer ANDEREN Person. Ich finde ich keine Zusammenhänge zwischen diesen Teilen der Beiträge, aber sie scheint es nicht zu stören, in Gedanken Wurstsalat zu produzieren und auf diesen zu antworten.

Der Mut der afghanischen Frau liegt in meinen Augen darin, dass sie, im Gegensatz zu ihre Erfahrungen, in vielen afghanischen Familien, die ICH kenne, die führende Persönlichkeit der Familie darstellen, diese Familien leiten und sich auf eine ganz besonders wundervolle Art und Weise um ihre Mitmenschen kümmern.

Es heisst ja, wer sich knechten lässt, darf sich über die Enge der Fussfessel nicht beklagen. Afghanen, Mann und Frau, sind aber freiheitsliebende Menschen. In meiner unmittelbaren und mittelbaren Umgebung bin ich einem ganz anderen Typ Frau begegnet, der sich ihren Rechten klar ist. In der afg Gesellschaft ist die Familie der Frau ganz entscheidend da, wenn nötig auch physisch, wenn die Frau misshandelt werden sollte.

Deutsch68
Deutsch68 44 years ago

Wieso muss ich es besser wissen ?

Ich wurde mehrfach von verschiedenen afghanischen Frauen gefragt, ob mich mein Mann eigentlich auch schlägt ( wie sie selber es eben traurigerweise erleben; dann weinen sie sich eine Weile mit ihren Hämatomen auf ihrem Körper bei ihrer Nachbarin, Freundin etc. aus - und gehen dann zurück und leben mit so einem Schläger weiter zusammen - für mich unbegreiflich, aber vielleicht wollen sie ja gern Shahid werden ) 

Im Übrigen lese ich Deinen vorigen Beitrag zum Mut der afghanischen Frau im Zusammenhang von dem von Phenomenajan angesprochenen Drittel afghanischer Männer. Wenn afghanische Frauen also die Gewalttätigkeit ihres Mannes hinnehmen, dann ist das für mich kein Mut.

Bei einer deutschen Frau, die von ihrem Partner vermöbelt wird und sich das gefallen lässt, finde ich so ein Verhalten mindestens ebenso bescheuert. 

Scully
Scully 44 years ago

"...So wie ich das sehe, sollten ein Drittel der afghanischen Ehen geschieden werden, dann haben die Kinder vielleicht noch eine Chance, ihren Weg in der Gesellschaft zu finden." Phenomena

da muss ich aber wirklich den Kopf schütteln. 33%? Woher diese merwürdigen Statistiken auf ein Mal herkommen? Quelle? Beweis? oder doch wieder das eigene Gefühl? pfui

Manec
Manec 44 years ago

Beantworten sie doch die Frage.

Sie sind immerhin mit einem "Afghanen" verheiratet und müssten es besser wissen. Ist es Mut oder Dummheit?

Oder mal die Frage direkt zu stellen:

Ist es dumm von Ihnen, mit ihrem Satz indirekt zu implizieren, dass alle afghanischen Ehefrauen in der Ehe Prügel beziehen und dies über sich ergehen lassen?

Vor ihrem afghanischen Mann hatten sie bestimmt auch Beziehungen zu Deutschen, wie sind die denn so? Schlagen diese "auch" zu?


Deutsch68
Deutsch68 44 years ago

Ist es Mut oder Angst und Dummheit, Prügel des Ehemannes auszuhalten und den eigenen Kindern damit vorzuleben, dass massive Körperverletzung schon ok ist ?

Manec
Manec 44 years ago

"...So wie ich das sehe, sollten ein Drittel der afghanischen Ehen geschieden werden, dann haben die Kinder vielleicht noch eine Chance, ihren Weg in der Gesellschaft zu finden. Seien wir doch ehrlich, die meisten afghan. Männer sind doch nicht so hitverdächtig und können froh sein, dass eine Frau sie durchs Leben bringt. Ich bewundere die Kraft und Ausdauer der afghanischen Frauen."

 Musste echt über diesen Absatz lachen. :-) Wer soll denn die Scheidungen übernehmen? Der Staat? Sollen jetzt neue Nürnberger Gesetze verabschiedet werden, um jede afghanische Ehe zu beenden? Mit welcher Begründung? Auf welchen Eindrücken basieren deine Ansichten, dass 33% afghanischer Ehen nicht gut sind in deinen Augen?

Die afghanische Frau ist durchaus hitverdächtig, ich bewundere ihre innere Stärke, ihr Pflichtbewusstsein und ihren Mut. Doch seien wir mal ehrlich, sind die Morsal Obeidis von heute noch "afghanisch"?

Deutsch68
Deutsch68 44 years ago

Salam Phenomenajan,

die Polizei würde ja vielleicht gern andere Seiten aufziehen, aber was nützt es, wenn die (Jugend-)Richterschaft nicht mitzieht ? Und was ist dann noch in rechtsstaatlichem Rahmen ? Und welcher Polizist möchte sich seine eigene Karriere behindern wegen eines gegen ihn eingeleiteten Verfahrens, das ihm von einem jugendlichen Migranten 'reingedrückt wird, in dem es um den Vorwurf von rassistisch motivierter Körperverletzung geht ?

Ich denke zwar wie Du, dass energischeres Vorgehen der Staatsgewalt zur Durchsetzung des hiesigen Werte- und Rechtssystems nötig wäre - aber ich sehe langfristig mehr Erfolg, wenn man das sozialpädagogische Engagement zugunsten von Immigranten ( aber auch der herkunftsdeutschen Familien ) mehr als bisher intensiviert. Elternführerschein zum Kompetenzerwerb als Schlagwort.

Phenomena
Phenomena 44 years ago

Mein Reden, die deutsche Polizisten müssen endlich ihren Kuschelkurs gegenüber solchen halbstarken Alis, Ahmads, Ivans und Kevins beenden. In der Türkei, ehemalige Gus Staaten und in den meisten Herkunfsländern der hier lebenden Immigranten machen die Jugendlichen einen großen Bogen um jeden Polizisten. Hier wird noch mit denen diskuiert., nach dem Motto: Gut, dass wir darüber geredet haben, nun kannst du deine sis durchsieben.

Gleichzeitig muss der Staat die Anzahl der Paragraphenreiter reduzieren und vermehrt Sozialarbeiter und Pädagogen einsetzen, die mehr oder weniger die Aufgaben der Eltern übernehmen, d.h. aktiv in die Erziehung eingreifen und wenn notwendig, das Sorgerecht entziehen.

So wie ich das sehe, sollten ein Drittel der afghanischen Ehen geschieden werden, dann haben die Kinder vielleicht noch eine Chance, ihren Weg in der Gesellschaft zu finden. Seien wir doch ehrlich, die meisten afghan. Männer sind doch nicht so hitverdächtig und können froh sein, dass eine Frau sie durchs Leben bringt. Ich bewundere die Kraft und Ausdauer der afghanischen Frauen.

Ich trinke heute Abend auf das Wohl aller afghanischen Frauen.

Interessant:

Aus Spiegel Online v. 10.06.2008

MORD AN MORSAL OBEIDI

"Diese Jugendlichen lachen sich schlapp über die Polizei"

Was tun, um "Ehrenmorde" zu verhindern? Morsal Obeidi wurde von ihrem Bruder erstochen, weil er ihren Lebensstil nicht duldete. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt SPD-Politiker Bülent Ciftlik, warum Polizei und Behörden versagten - und was sie künftig anders machen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Herr Ciftlik, hätte der Mord an Morsal Obeidi verhindert werden können?

Ciftlik: Ja. Morsal Obeidi wurde mindestens viermal im Kinder- und Jugendnotdienst untergebracht, ihre Familie hat sie brutal misshandelt und bedroht, sie wurde vor den Augen der Polizisten im Hausflur vom Bruder verprügelt - trotzdem hat man sie nicht in Sicherheit gebracht. Die Behörden haben die Gefahrenlage offenbar falsch eingeschätzt. Und die Hamburger Dienststellen, die mit Morsal und ihrem kriminellen Bruder Ahmad zu tun hatten, haben ihre Informationen nicht zusammengeführt und nicht über eine Lösung nachgedacht.

SPIEGEL ONLINE: Wird der Senat das behördliche Versagen eingestehen, wenn die Einzelheiten am Dienstagabend im zuständigen Hamburger Ausschuss debattiert werden?

Ciftlik: Ich fürchte, der Senat wird weiterhin mauern, taktieren und verheimlichen. Er ist offenkundig nicht daran interessiert, schonungslos aufzuklären. Das haben die Hamburger Bürgermeisterin und Schulsenatorin Christa Goetsch und der zuständige Senator Dietrich Wersich ja leider schon einmal bewiesen, als sie auf einer Landespressekonferenz alles Mögliche erzählt haben, nur nicht Details zur Leidensgeschichte von Morsal und zum mehrfach vorbestraften Bruder. Damit machen die Verantwortlichen deutlich, dass ihnen die eigene Ungeschorenheit wichtiger ist als Aufklärung. Damit das trotzdem geschieht, werden wir alle parlamentarischen Mittel einsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Was hätten die Behörden tun müssen, um Morsal zu helfen?

Ciftlik: Soweit ich weiß, haben sich die Beamten keineswegs auf die spezielle kulturelle Situation im Fall Morsal Obeidi eingestellt. Es gab kein Gespräch mit den Eltern in deren Sprache oder einen Vermerk über den Männlichkeitswahn des Bruders in der Akte Morsal. Man hätte viel schneller auf die akute Gefahr aufmerksam werden müssen. Das Jugendamt hätte den Eltern das Sorgerecht zumindest teilweise entziehen und das Aufenthaltsbestimmungsrecht für Morsal beanspruchen müssen. All das wäre möglich gewesen.

SPIEGEL ONLINE: Aber Morsal hat die Mädchenheime, in denen sie untergebracht war, immer wieder verlassen, um zu ihrer Familie zurückzukehren. Und sie hat Aussagen gegen ihre Familienmitglieder zurückgezogen. Offensichtlich wollte sie ihren Eltern und Geschwistern nicht den Rücken kehren.

ZUR PERSON

Bülent Ciftlik, Jahrgang 1972, ist in Hamburg Altona aufgewachsen. Seit 2008 ist er Abgeordneter und migrationspolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg. Gleichzeitig ist er Pressesprecher der Hamburger SPD. Der türkischstämmige Politiker studierte Kriminologie und Politikwissenschaft. Zusammen mit Parteifreunden hat er vor vier Wochen eine Anfrage an den Hamburger Senat gestellt, um die "Hintergründe des Tötungsdelikts" an Morsal Obeidi zu erfahren.
Ciftlik: Meine Güte, wer ein bisschen Ahnung hat von gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen, erkennt doch, welchen Kraftaufwand es für ein 16-jähriges Mädchen kostet, die Polizei zu rufen und dann gegen den eigenen Bruder auszusagen. Zu sagen, sie hätte das selber durchziehen müssen, ist schlichtes Unverständnis. Die Familienfixiertheit in anderen Gesellschaften ist oft sehr viel größer als hier. Die Familie ist in Morsals Milieu der Lebensmittelpunkt. Sie hat in der Familie immer wieder die Wärme gesucht, nach der sie sich gesehnt hat. Das kann man ihr nicht vorwerfen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sollen die Behörden vorgehen, wenn die Betroffene Hilfe ablehnt?

Ciftlik: Der Tenor in der Arbeit mit ihr hätte sein müssen: "Wir verstehen, dass du zurück willst, Morsal. Aber dein Bruder hat dich vor 24 Stunden massiv bedroht und geschlagen, deshalb lassen wir dich nicht zurück." Wir müssen endlich aufhören, vor den Türen der Familien zu stoppen und umzukehren. Vor allem, wenn eine Gefahr für Leib und Leben besteht. Behörden müssen den Sprung über die Familienschwelle wagen.

SPIEGEL ONLINE: Warum schrecken die Behörden davor zurück, sich einzumischen?

MEHR ÜBER...


Ciftlik: Das kann sicherlich Respekt vor der Autonomie einer Familie sein und Unsicherheit gegenüber dem Fremden. Behörden dürfen sich auch irren und Dinge falsch einschätzen, aber sie müssen sich Wissen aneignen und einmischen. Es gibt so viele schwer durchdringbare Bereiche: sogenannte Importbräute aus den Heimatländern, Familienfehden, sexueller Missbrauch - da haben die Beamten nicht jahrelang Zeit, sich einzuarbeiten. Es fehlt aber leider oft an Mut, sie sind oft übervorsichtig. Ich kenne Jugendliche, die sich schlapp darüber lachen, wie die Behörden - allen voran die Polizei - in Deutschland vorgehen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sollte man mit jungen Männern umgehen, die den deutschen Rechtstaat nicht ernst nehmen?

Ciftlik: Bei jemandem wie Ahmad - 23 Jahre alt, dicke Muskeln, das Messer sitzt locker - müssen wir kompromisslos zeigen, dass Gewalt nicht akzeptiert wird. Und der Staat muss der Polizei signalisieren: Ihr habt unsere Rückendeckung, nutzt alle rechtlichen Möglichkeiten. Nachdem Ahmad seine Schwester vor den Augen der Polizei weiter geprügelt hat, hätte man ihn für einige Tage in Gewahrsam nehmen können. Hat man aber nicht. Die Polizisten sind einfach wieder abgerückt. Was ist das für ein Signal?

LINE: Was treibt junge Männer wie Ahmad? Was läuft falsch in ihrem Leben?

Ciftlik: Es gab keinen Bereich, in dem Ahmad Selbstwertgefühl hätte aufbauen können: kein Schulabschluss, kein angesehener Job, keine Perspektive. Er hat in all diesen Bereichen nichts zu bieten. Ahmad wollte wenigstens in der Familie Autorität und Respekt genießen, auch das ist ihm nicht gelungen, zumindest nicht bei Morsal. Söhne wie Ahmad werden von Geburt an so erzogen, dass sie meinen, die vermeintliche Ehre ständig verteidigen zu müssen. Gewalt kommt immer dann ins Spiel, wenn ein Mann nicht fähig ist, mit Niederlagen umzugehen.

SPIEGEL ONLINE: Hat die deutsche Gesellschaft überhaupt eine Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen?

Ciftlik: Wir müssen diesen jungen Männern einerseits enge Grenzen setzen und ihnen andererseits von vornherein eine andere Entwicklung ermöglichen. Wir müssen Sprachdefizite ausgleichen, ihnen einen Schulabschluss ermöglichen und einen Ausbildung garantieren. Wenn all dies gelingt, brauchen die jungen Männer ihre Männlichkeit nicht länger dadurch beweisen, dass sie ihre Familienmitglieder tyrannisieren.

SPIEGEL ONLINE: Nun gibt es aber viele, die sagen, Ehrenmorde haben nicht damit zu tun, kein Abitur zu haben. Bildungsferne Schichten gibt es schließlich auch in Communitys, in denen noch kein Bruder seiner Schwester wegen eines Minirocks ermordet hat.

Ciftlik: Perspektivlosigkeit ist eine von vielen Ursachen für diese Form der Gewalt. Gewalt an Schwächeren kommt aber überall dort vor, wo Mikrokosmen entstehen, wo es in der Lebenswelt der Menschen keinen Zugang – ob nun selbst verschuldet oder nicht - zu unserem Werte- und Rechtssystem gibt. Da kann es passieren, dass auch ein deutscher Mann seine Frau umbringt, weil sie nicht tut, was er will - das wird in den Medien dann "Familiendrama" genannt. Dahinter steckt aber das gleiche Problem.

SPIEGEL ONLINE: Wie erreicht man die Menschen in Einwanderer-Mikrokosmen?

Ciftlik: Wir müssen die Migranten- und Moscheenverbände in die Arbeit einbinden, ihre Meinungen und Ideen einholen - auf ihr Sachverständnis können wir nicht verzichten. Wir brauchen Leute, die Einfluss in ihren Gruppen haben. Sie müssen mit den jungen Männern sprechen und ihnen klar machen: Ich habe kräftigere Muskeln als du, aber ich habe noch nie eine Frau geschlagen. Und wir brauchen Pädagogen und Soziologen mit Spezialkenntnissen, die Krisenintervention betreiben können. Das setzt aber mehr Personal voraus, auch darüber müssen wir reden. Mehr Personal kostet mehr Geld. Morsal hätte bei ihren vergeblichen Abnabelungsversuchen intensiv begleitet werden müssen. Kurz: Es reicht nicht, wenn wir uns bei Jasmintee in einen Kreis setzen und reden.

SPIEGEL ONLINE: Sie kämpfen für die Rechte unterdrückter Frauen und gegen Ehrenmorde, Sie selber haben eine türkische Herkunft - kämpfen Sie damit auch gegen die Stigmatisierung muslimischer Männer als Täter?

Ciftlik: Ja, natürlich. Ich komme zwar damit klar, dass manche deutschdeutschen Mitbürger mir gegenüber am Anfang gewisse Vorbehalte haben. Die gilt es aber nach und nach abzubauen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie kandidiert, um sich mit diesen Themen zu befassen?

Ciftlik: Nein. Ich komme aus einem Wahlkreis, in dem es auch viele andere Probleme gibt. Aber als einziger Türkischstämmiger in meiner Fraktion komme ich wohl nicht drum herum.

Das Gespräch führten Ferda Ataman und Barbara Hans

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