Anschlag auf Bundeswehr in Kunduz

Bei einem Anschlag auf die Bundeswehr im nordafghanischen Kunduz ist ein deutscher Soldat verletzt worden - ein afghanischer Jugendlicher kam ums Leben. Der Sprengsatz sei detoniert, als zwei Bundeswehr-Fahrzeuge am Markt der Stadt gehalten hätten, sagte der Sicherheitschef der Provinz.
Kabul - Augenscheinlich seien die deutschen Soldaten das Ziel des Anschlags gewesen, sagte Mutalib Big, Sicherheitschef der Provinz Kunduz. Zwölf afghanische Zivilisten seien bei der Explosion verletzt worden, einer davon schwer, sagte Big. Ein 13-jähriger Afghane sei ums Leben gekommen. Ein Entwicklungshelfer berichtete von zwei verletzten Soldaten.
Die Bombe sei an einem Fahrrad befestigt gewesen. Bislang sei es im Zusammenhang mit dem Anschlag nicht zu Festnahmen gekommen.
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Zurzeit hat die Bundeswehr vier Standorte in Afghanistan. Die Mehrzahl der insgesamt rund 2400 Soldaten tut in der Hauptstadt Kabul nahe des Flughafens Dienst. 350 Uniformierte sind in Kunduz und weitere 200 in Faizabad im Norden Afghanistans stationiert. Zusätzlich baut die Bundeswehr in Masar-i-Sharif mit etwa 250 Soldaten ein weiteres Camp auf. .

In Kunduz hat die Bundeswehr im Herbst 2003 ein Camp der US-Armee übernommen, das am Rande der Provinzhauptstadt liegt. Hinter hohen Mauern und bewacht von afghanischen Sicherheitskräften planen die Soldaten dort hauptsächlich humanitäre Missionen wie den Aufbau von Schulen und Krankenhäusern. Zur täglichen Routine gehören Fahrten durch die Region und auch Fußstreifen, bei denen die Soldaten über Dolmetscher den Kontakt zur lokalen Bevölkerung suchen. Zur Bewertung der Sicherheitslage treffen sich die Kommandeure auch regelmäßig mit den lokalen Sicherheitskräften.

Für die Fahrten in der Region verwenden die Soldaten meist mehrere zivile Jeeps, die mit einer deutschen Fahne und dem Symbol der internationalen Friedenstruppe Isaf gekennzeichnet sind. Zusätzlich ist meist ein militärisches Fahrzeug in den Konvois dabei, für die Kommunikation auch Dolmetscher. Die eingesetzten Soldaten sind schwer bewaffnet und tragen stets Splitterschutzwesten am Oberkörper. Die Sicherheitslage in Kunduz wird seit Monaten als instabil bewertet. Konkrete Warnungen vor Anschlägen gab es allerdings nicht. Sicherheitsexperten befürchteten jedoch seit längerem, dass der verstärkte Kampf gegen die Drogen-Mafia im Norden des Landes die Stimmung gegen deutsche Soldaten anheizen könnten. Offiziell beteiligt sich die Bundeswehr nicht an der Beseitigung des weit verbreiteten Opium-Anbaus, von dem in der Region mehr als die Hälfte aller Bauern lebt.

Im Juni 2004 starben vier Afghanen bei einem Bombenanschlag in Kunduz, der vermutlich einem deutschen Fahrzeug galt.

mgb/hen/dpa


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