Milizenführer und Karsai-Gegner erobern Parlamentssitze -

Milizenführer und Karsai-Gegner erobern Parlamentssitze
28.09.2005 Kabul - Die aus Uno-Experten und afghanischen Beamten zusammengesetzte Wahlkommission gab heute auf ihrer Homepage nach Auszählung von 9,2 Prozent der Stimmen erste vorläufige Ergebnisse bekannt. Demnach errangen Karsais Konkurrenten bei der Präsidentschaftswahl des vergangenen Jahres, Mohammed Mohakek und Junus Kanuni, die meisten Stimmen im Wahlkreis Kabul. An vierter Stelle lag der frühere Guerilla-Führer Abdul Rassul Sajjaf, der laut Human Rights Watch für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen verantwortlich ist.

Die Ergebnisse können sich noch erheblich verändern. Gleichwohl scheinen den jetzt führenden Kandidaten Sitze in der Wolessi Dschirga, dem afghanischen Unterhaus, sicher.

Mohakek ist ein Milizenkommandeur von der Volksgruppe der Hasara, der gegen die Taliban gekämpft hatte. Kanuni führt ein Bündnis mehrerer Parteien, die in Opposition zu Karsai stehen. Ziel der Zentralregierung in Kabul und der westlichen Staatenwelt war es, durch die Parlamentswahl zur Stabilisierung des Landes beizutragen.

Inzwischen steigen die Sorgen, im Parlament könnten die Konflikte wieder aufbrechen, die das Land seit Jahrzehnten lähmen. Vorläufige Endergebnisse aus allen 34 Provinzen sollen bis zum 4. Oktober vorliegen.

Unterdessen trat heute der afghanische Innenminister Ali Ahmed Dschalali zurück. Dschalali, der als eines der angesehensten Mitglieder der Regierung gilt, zog sich Berichten zufolge offenbar wegen regierungsinterner Streitigkeiten zurück - er konnte sich mit Präsident Karsai nicht über die Ernennung von Amtsträgern in den Landesprovinzen einigen. Der Minister selbst sagte dem afghanischen privaten Fernsehsender Tolo in einem Interview: "Einer der Hauptgründe ist, dass ich meine akademische und wissenschaftliche Forschung wieder aufnehmen möchte." Über einen Nachfolger ist noch nicht entschieden. Der Rückzug des im Westen ausgebildeten Technokraten gilt als Rückschlag für die internationalen Bemühungen, das Land nach mehr als 25 Jahren Krieg und Gewalt politisch zu stabilisieren.

Dschalali hatte einigen Regierungsmitgliedern jüngst vorgeworfen, in Afghanistans massiven Drogenhandel verwickelt zu sein. Der Drogenhandel gilt seit langem eines der größten Hindernisse für die langfristige Sicherheit im Land. Darüber hinaus war der bisherige Innenminister Berichten zufolge unzufrieden darüber, dass Minister nicht über zwei Staatsangehörigkeiten verfügen dürfen. Der Regelung nach hätte der frühere Soldat und Journalist seinen amerikanischen Pass abgeben müssen. Dschalali war 2002 nach jahrzehntelangem Exil in den USA nach Afghanistan zurückgekehrt.


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