Beobachter loben überwiegend freie Afghanistan-Wahl

Kabul (dpa) - Internationale Wahlbeobachter haben die erste Parlamentswahl in Afghanistan seit knapp vier Jahrzehnten als überwiegend frei und fair bewertet. »Der Wahlprozess wurde in 92,7 Prozent der Wahllokale, die EU-Wahlbeobachter besuchten, als sehr gut oder gut bewertet«, sagte die Chefin der EU-Wahlbeobachtermission, Emma Bonino.
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»Trotz Mängeln, die nicht übersehen werden können, ist die Wahl ein bedeutender Schritt für die demokratische Entwicklung Afghanistans«, sagte Bonino , am Montag in der Hauptstadt Kabul. Die EU stellte die Mehrheit der rund 500 internationalen Wahlbeobachter.

An der Parlamentswahl beteiligten sich nach Hochrechnungen nur rund die Hälfte aller Wahlberechtigten. Etwa sechs Millionen Afghanen hätten ihre Stimme abgegeben, sagte der Cheforganisator der Wahlbehörde, Peter Erben, nach Auswertung von Daten aus gut einem Drittel der Wahlzentren. Für die Wahl am Sonntag waren 12,5 Millionen Wahlausweise ausgegeben worden. Bei der Präsidentenwahl im Oktober vergangenen Jahres lag die Wahlbeteiligung bei rund 70 Prozent.

Erben sagte, man gehe davon aus, dass sich einige Afghanen mehrfach für die Wahl hätten registrieren lassen und die tatsächliche Zahl der Wahlberechtigten unter 12,5 Millionen liege. Die Wahlbeteiligung scheine damit knapp über 50 Prozent zu liegen. Erben wertete dies im Vergleich mit anderen Ländern als Erfolg.

Erben sagte, der Transport der Wahlurnen in die Auszählzentren sei ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Auszählung der Stimmen soll am Dienstag beginnen. Nach einer Einspruchszeit soll das Endergebnis am 22. Oktober bekannt gegeben werden. Knapp 2800 Kandidaten bewarben sich um 249 Parlamentssitze, von denen mehr als ein Viertel für Frauen reserviert sind. Zeitgleich mit dem Parlament wurden auch die Räte der 32 afghanischen Provinzen gewählt.

Bundesaußenminister Joschka Fischer beglückwünschte das afghanische Volk. »Nach Jahrzehnten des Kriegs, Bürgerkriegs und der Gewaltherrschaft ist diese Wahl ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu einem sicheren, stabilen, freien und demokratischen Afghanistan«, sagte Fischer in Berlin.

Die Wahl war von Anschlägen und Kämpfen überschattet worden. Die mehr als 30 000 internationalen Soldaten und rund 100 000 afghanischen Sicherheitskräfte, die bei der Wahl eingesetzt wurden, bleiben auch während der Stimmenauszählung im Einsatz.



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