Rege Beteiligung an Wahlen in Afghanistan

Die erste Parlamentswahl in Afghanistan seit 36 Jahren ist von Gewalt in weiten Teilen des Landes überschattet worden. Behörden und Sicherheitskräfte registrierten in mindestens neun von 32 Provinzen Angriffe oder Anschlagsversuche.
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Ziele waren die UNO, Soldaten, Polizisten, Kandidaten und Wahllokale. Mindestens vier Rebellen und zwei afghanische Polizisten kamen ums Leben.

Bei einem Bombenanschlag in der südafghanischen Provinz Kandahar wurden in der Nacht zum Sonntag nach Angaben der französischen Armee ein französischer Soldat getötet und ein weiterer schwer verwundet.

Kurz nach Wahlbeginn am Sonntagmorgen schlug eine Rakete auf einem UNO-Gelände in der Hauptstadt Kabul ein, eine weitere detonierte in der Nähe des Areals. Ein afghanischer UNO-Mitarbeiter sei leicht verletzt worden, teilte die UNO mit.

Die Taliban, die zum Wahlboykott aufgerufen haben, bekannten sich zum Angriff. Im Vorfeld der Wahl waren sieben Kandidaten und einige Wahlhelfer getötet worden.

Die Wahlbehörde sprach trotzdem von einem «sehr friedlichen Wahltag». Der Cheforganisator der Wahlen, Peter Erben, sagte: «Wir sind angenehm überrascht über das niedrige Niveau an Angriffen gegen Wahleinrichtungen und Wahlhelfer.»

Trotz der Gewalt gingen laut Reportern die Afghanen in Scharen zu den Urnen. Ein Reuters-Reporter berichtete, dass sich in der südlichen Stadt Kandahar, wo die Taliban ihre Wurzeln haben, lange Schlangen vor den Wahllokalen gebildet hätten.

Unter den hunderten von Menschen waren demnach viele Frauen. Die Wahllokale sollten um 13.30 Uhr MESZ schliessen. 12,5 Millionen Afghanen haben sich als Wähler registrieren lassen.

Knapp 2800 Kandidaten bewerben sich um 249 Parlamentssitze in der Wolesi Dschirga - über ein Viertel der Sitze sind für Frauen reserviert. Gewählt werden auch die neu geschaffenen Provinzräte. Das Wahlergebnis wird erst Mitte Oktober erwartet.

Für die Wahl sind 30 000 internationale Soldaten und 100 000 afghanische Sicherheitskräfte im Einsatz. Über 5000 Wahlbeobachter begleiten den Urnengang.


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