Ali Askar Lali, Beckenbauer Afghanistans, in Warburg

Warburg. Klein ist die Welt: Am Wochenende zum Warburger Flohmarkt in der Stadthalle meldete Veranstalter Friedhelm Emde plötzlich hohen Besuch. Der ehemalige Paderborner Ali Askar Lali, "der Beckenbauer Afghanistans", wie Emde betonte, baut aktuell als Trainer in Afghanistan eine Fußball-Nationalmannschaft auf. Lali hatte jetzt die Zeit gefunden, alte Warburger Freunde zu besuchen.
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Im August 2003 begab sich Holger Obermann, ehemaliger ARD-Reporter und Profi-Torwart, auf eine gewagte Mission nach Afghanistan. Nach 23 Jahren Krieg, nach russischer Invasion, dem Taliban-Regime, dem Waffengang der USA, der Suche nach Terroristen vom Schlage des Osama bin Laden, nach Bomben, Granaten, Zerstörung, Vertreibung wollte der deutsche Fußballexperte beginnen, den afghanischen Fußball neu aufzubauen.

Begleitet wurde Obermann damals von Ali Askar Lali, einem ehemaligen afghanischen Nationalspieler, der 1980 über den Iran nach Deutschland geflüchtet war, und sich seitdem in der Afghanistan-Hilfe Paderborn engagiert hatte. Der 48-Jährige sei "so etwas wie der Beckenbauer Afghanistans", er konnte durch seine Popularität im Land am Hindukusch viele Türen öffnen.

Allerdings war Obermanns Aufenthalt in Afghanistan auf sechs Monate beschränkt. Seitdem der Sportexperte wieder in Deutschland ist, hat Ali Askar Lali die Leitung des "Projekts WM 2006" übernommen. Lali ist dabei im Auftrag des Nationalen olympischen Komitees für Deutschland (NOK), des Deutschen Fußballbundes (DFB) und des Auswärtigen Amtes tätig.

Bevor Lali 2003 in sein Heimatland nach Kabul zurückkehrte, lebte er in Paderborn. "Aus dieser Zeit kenne ich auch Friedhelm Emde. Ich hatte ein Geschäft in Paderborn. Emde war ein Kunde", verriet Lali am Samstag in der Stadthalle gegenüber dieser Zeitung.

Neben seinem Job als Programmierer, er hatte im Computerbereich studiert, spielte er damals auch in der Oberliga Fußball. Unter anderem schoss er für den TuS Neuhaus, den SC Delbrück und den VFL Lichtenau seine Tore. Nach seiner aktiven Fußballkarriere sammelte er erste Erfahrungen als Trainer. Bezirksliga-Mannschaften wie TuRa Elsen, VFL Lichtenau und Türk-Gügu Paderborn waren damals erste Stationen. "Ich habe mich außerdem in vielen Trainerkursen fortgebildet", berichtete der 48-jährige. Das sei dann auch einer der Gründe gewesen, warum man ihn auswählt habe, den Deutschen Holger Obermann in Afghanistan zu unterstützen.

Mittlerweile habe man in Afghanistan große Fortschritte gemacht. "Es geht gut voran", berichtet Lali nicht ohne Stolz. Und speziell der Neuaufbau der Nationalmannschaft sei "weit voran geschritten". Große Fortschritte sieht der Trainer auch im Bereich des Jugendfußballs. Sogar eine Damenmannschaft habe man auf die Beine gestellt. Die erste Mädchenfußballmannschaft sei 2003 mit Schülerinnen der Zarghuna-Schule gegründet und im Rahmen eines vom Auswärtigen Amt geförderten Fußballprojekts unterstützt worden. Außerdem baute man wieder eine afghanische Nationalmanschaft, ein so genanntes "A-Team" auf, mit dem Paderborner Lali als Chef-Trainer.

"Nach einem Viertel Jahrhundert hat die afghanische Nationalmannschaft erstmals wieder ein Länderspiel bestritten", beschrieb der ehemalige Paderborner seine bisher geleistete Arbeit. Das entscheidende Spiel im Kampf um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr gegen Turkmenistan verloren die Afghanen jedoch mit 0:2. Ausgeschieden. Für Afghanistan besteht keine Chance mehr auf ein Ticket für die WM 2006 in Deutschland. Doch dank Lalis Engagement können die Fußballer vom Hindukusch wieder auf ein besseres Morgen hoffen.

Lali war mit seiner Ehefrau Humaira und seiner jüngsten Tochter Bahar (drei Monate) zu Gast in Warburg - "im Urlaub", wie er mit einem verschmitzten Lächeln zugab. Kommende Woche gehe es wieder zurück nach Kabul. Das Fußball-Projekt laufe schließlich immer noch, und "irgendjemand muss den Menschen Hoffnung geben und sie von den schrecklichen Erlebnissen der letzten Jahre ablenken", so Lali.

Der Fußball sei nach Jahrzehnten des Stillstands zurückgekehrt. Und er ist die populärste Sportart im Land.


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