Bin Laden unbehelligt in Pakistan - Bundesregierung liegen Geheimdienstwarnungen über neuen Zulauf zur Al Qaida vor

Berlin - fwm - Terrorchef Osama bin Laden lebt nach jüngsten übereinstimmenden Geheimdienstinformationen, die der Bundesregierung vorliegen, unbehelligt von Militär und Polizei im Westen von Pakistan an der Grenze zu Afghanistan. Er plant neue Anschläge, ruft zum Kampf gegen die USA in Afghanistan und Irak auf. Als vor Monaten der deutsche Auslandsgeheimdienst BND gemeldet hatte, bin Laden sei am Leben, reagierte Pakistan mehrfach mit Meldungen über dessen Tod. Doch jetzt hat Staatspräsident Pervez Musharraf seinen Sicherheitskräften Anweisung erteilt, den Kopf der Terrororganisation Al Qaida im Lande nicht festzunehmen, weil sonst Aufstände Pakistan ins Chaos stürzen könnten. Der Rückhalt von bin Laden ist in der pakistanischen Bevölkerung selbst nach Einschätzung des dortigen Geheimdienstes zu groß, als dass Musharraf, der sich 1999 an die Macht putschte, eine Auseinandersetzung riskieren könnte. Nach empfindlichen Niederlagen, Tötung und Festnahmen von Terroristen hat sich Al Qaida - so die der Bundesregierung vorliegenden Informationen - unter bin Laden inzwischen offenbar wieder reorganisiert. Die ersten Ausbildungslager sind wieder offen, der Zulauf ist nach übereinstimmenden Geheimdienstmeldungen "stärker als je zuvor". Experten rechnen damit, dass bin Laden wieder "Anschläge von strategischer Bedeutung plant". Zunehmend versucht Al Qaida, den gesamten Kampf gegen "Ungläubige" - gemeint sind vor allem die USA - in Afghanistan, Irak und Palästina zu koordinieren. Auch wenn manche Geheimdienstexperten von einer Überschätzung abraten, sind sich alle einig, dass darin eine grundsätzliche Gefahr liegt. So melden Geheimdienste aus der Region bereits, den USA könne im Irak ein ähnliches Schicksal drohen wie den Russen einst in Afghanistan. Die Radio-Botschaft der Al Qaida vom 9. September wird sehr ernst genommen. Darin hatte Al Sawahiri als rechte Hand bin Ladens zum "heiligen Krieg gegen die Unterdrücker" und zum "heiligen Krieg in Palästina" aufgerufen. Die Muslime in allen Ländern sollten "den irakischen Befreiungskampf" unterstützen. Nach Überzeugung der Terrorführung von Al Qaida hat sich "die Lage in Afghanistan zu ihren Gunsten gewendet". Die USA seien in Afghanistan und Irak in dem Dilemma: "Beim Abzug verlieren sie alles, beim weiteren Verbleib werden sie aufgerieben." Nach umfangreicher Auswertung dieser Botschaften kommen westliche Geheimdienste zu dem Schluss, dass "eine sehr reale Gefahr" bestehe. Artikel erschienen am 21. Sep 2003


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