Vor langer Zeit hat mich Deutsch jan gebeten ein neues Topic zu eröffnen. Da wir bei einem anderen Topic folgendes Thema kurz angesprochen haben:

 “gerade fällt mir was anderes ein.. wie wäre es wenn wir die diskussion über religion aus der welt schaffen würden???
Jeder darf glauben was er will und dies auch dementsprechend praktizieren jedoch nichts in der öffentlichkeit erwähnen.
Jeder Krieg entstand nur aus i-welchen religiösen ansichten… ist es nicht schade? Man kann ja verschiedene Glauben haben und trotzdem ein guter Mensch sein.
Wir Afghanen diskutieren gerne über tabu-themen. Auf der Arbeit, wenn wir einen Kunden beraten dürfen wir NIE NIE NIE über Politik, Religion und Wetter reden!!!
Vlt sollten wir das was wir in unserem Berufsleben machen, auch privat öfters anwenden.”

Also meine Lieben, aus welchen Motiven spricht man über bestimmte Themen? Oder spricht eben nicht? Und wie wichtig es einem erscheint, dass darüber gesprochen werden kann oder bestimmte Dinge zum Tabu erhebt?


Comments


Jazabak
Jazabak 6 years ago

Die Kriege die aus religiösen Ansichten entstehen, entstehen nur weil die Religion falsch übermittelt wird oder von falschen Leuten übermittelt wird wie zB in dem Film bzw “ Die Steinigung von Soraya M”

WaWa
WaWa 6 years ago

Ich finde Religion sollte ein Tabuthema sein.
Es sollte sowas wie der Hitlergruss werden. Wer dies nur anspricht, soll eine Strafe kriegen…

Deutsch68
Deutsch68 6 years ago

Lol, Wawajan, was für ein Vorschlag.

Personen, die sehr in der Öffentlichkeit stehen, erheben manchmal ihr komplettes Privatleben zum Tabuthema für andere. Motiv: Einen Bereich haben, den sie nicht mit allen teilen müssen, sich nicht rechtfertigen müssen, weshalb ihnen diese geglückt ist und jenes nicht, nehme ich an.

Wenn man besonders empfindlich berührt wird durch das Ansprechen des Themas, möchte man es gern “tabu” halten, um nicht in Verlegenheit gebracht zu werden, kein Geheimnis preisgeben zu müssen, nicht Gefahr laufen, vor den anderen im Ansehen zu sinken, Würde zu verlieren usw.

Ich verstehe aber nicht, weshalb Wetter ein Tabuthema sein sollte ? Das ist doch ein klassisches Small-Talk-Thema, oder nicht.

Tabu-Themen zeigen allerdings in der zwischenmenschlichen Kommnunikation auch sehr schnell, wo beim Einzelnen die individuellen Toleranz-/Akzeptanzgrenzen der Meinungsfreiheit liegen und wie es um die Fähigkeit des sog. rationalen Verhaltens und Entgegnens bestellt ist. Wenn ein Linksextremer auf einen Rechtsextremen trifft, gibt es eher keine mündliche Kommunikation, sondern nur noch einen Austausch von Gewaltanwendung.

Manches wird zeit- und ortsgebunden zum Tabuthema. Als St.-Pauli-Fußballfan töne ich meine Anhängerschaft lieber nicht unter lauter HSV-Fans durch die Gegend, wenn ich mir Stress ersparen will.

Tabuthemen variieren auch nach Gesellschafts- und/oder Kulturzugehörigkeit. Unter Deutschen ist es grundsätzlich tabu zu fragen, wieviel man mit seiner Arbeit verdient oder sich zu erzählen, das man sich gerade in psychotherapeutischer Behandlung befindet.

US-Amerikaner haben damit gar kein Problem, sich all das gegenseitig zu erzählen.

Gespräche über die eigene Familie sind nach meiner Erfahrung auch mit allerhand Tabus belegt. Es muss einen schon sehr drücken, wenn man vor ziemlich Fremden die Probleme mit den eigenen Kindern, pflegebedürftigen Angehörigen, erbstreitsüchtiger Verwandtschaft etc. in den Smalltalk einfließen ließe.

WaWa
WaWa 6 years ago

findest du meinen vorschlag schlecht? :-O

Warum thema wetter tabu ist? Weil es ein standardthema ist, und so fühlen sich die kunden als 0815. es ist auch nicht empfehlenswert den kunden zu fragen ob es ihm gut geht. denn vlt ist jemand aus seiner familie gestorben und er sagt es gehe ihm schlecht. was dann? wie reagiert man dann?!

die ältere generation in der schweiz redet auch ungern über den Lohn oder allg. finanzielles. aber die jugendlichen sind da ganz offen.

was seht ihr so als smalltalk themen?

Scully
Scully 6 years ago

Wow Wawa Jan, mein Kompliment für dieses Thema. Richtig interessant!!!

Meiner Meinung sind nicht die Themen ein Streitpunkt oder das ursprüngliche Problem, sondern wir sind die Ursache der Streitereien. Denn wir Menschen sind nicht in der Lage zu akzeptieren und zu respektieren. Es gibt kaum Themen, die man ohne persönlichen Angriffen und Beleidigungen diskutieren kann. Nachdem Motto Leben und Leben lassen, sollte man auch Diskussionen angehen, sonst droht einem die Pleite.

WaWa
WaWa 6 years ago

Tashakor! :D

meinst du mit “wir Menschen” uns afg?
Denn z.b. Europäer sind da offener als wir, und haben uns moslems ja akzeptiert in ihrem Land…

Deutsch68
Deutsch68 6 years ago

Wie Scullyjan es meint, weiß ich nicht, aber ich würde es kulturunabhängig bezogen auf Menschen allgemein verstehen.

Ich sage nur: Meinungsaustausch unter deutschen Müttern in Elternratgeber-Foren, ob man nun ausschließlich stillt bis zum vollendeten 3. Lebensjahr oder bald nach Geburt Flaschenanhrung verabreicht, oder bei jedem Babyquietscher sofort springt oder auch mal schreien lässt. Das wird alles zu einem echten Ideologiekampf hochgepuscht, und das jeweils andere Lager unter der Rubrik “Kindesmisshandler” einsortiert. Da geht es teilweise heftig unter die Gürtellinie. Da finde ich Diskussionen im AM-Forum geradezu entspannt, selbst wenn es um Tabu-Themen geht ;-).

@Wawajan, danke für die Erklärung, weshalb auch Wetterplaudereien unter bestimmten Umständen Tabu-Thema sein können.

Scully
Scully 6 years ago

Mit “wir Menschen” habe ich sowohl allgemein alle Menschen als auch die Afghanen gemeint. Wie Deutsch Jan schon erläutert hat, kommt es in jede Kultur zur heftigen Diskussionen ja bis hin zu virtuellen Schlägereien, wenn es einem die Meinung der Gegenseite nicht passt. Da muss noch nicht mal ums Tabu-themen gehen.

Wir Afghanen aber können die Wahrheit nicht ertragen. Nehmen wir mal an, 2 Männer diskutieren über die Einflüsse der Nachbarländer auf unsere Politik. Auf ein Mal erkannt 2 Parteien, die eine für Iran, die andere für Pakistan. Nach einer Std. trennen sich die Beiden in Streit und werden sich nicht mehr blicken lassen. Warum NUR?
Nun stell Dir vor, dass Thema wäre Homosexualität und die eine Seite würde dafür sprechen …... ooohhh laaa laaa laaa smilie_b_003.gif

WaWa
WaWa 6 years ago

Ohhh Homosexualität.. was für ein spannendes Thema.
Ich hatte mal einen Mitarbeiter der schwul war. Am anfang wusste ich dies nicht und wir haben uns befreundet bis er es mir eines tages erzählt hat. ich hatte am anfang echt mühe damit aber i-wann war es mir dann egal. und jetzt erzählt er mir auch ganz offen über seine beziehungsprobleme. ich habs dann meiner mama erzählt und sie fand es sehhhr schlimm und hat die ganze zeit eine grimasse gemacht sobald ich von ihm erzählt hab. dann kam meine mutter mal ins büro und wir sind zu dritt ein kaffee trinken gegangen und seit dem hat sich ihre einstellung auch einbisschen geändert. :)
Ich hätte nie gedacht dass meine mom mal ihre einstellung ändert, in so sachen ist mein dad eigentlich lockerer. aber hmm…. er hasst schwule über alles.
Eigentlich sind alle viel kritischer zu den schwulen als zu den lesben…sehr interessant..
wieso ist das so?

N00R
N00R 6 years ago

Salaam,

das ist so, weil Schwule eine Gefahr für die männliche Identität sind. D.h ein Mann der Schwulen gegenüber nachsichtig ist, läuft Gefahr, dass andere ihn selber für einen “warmen Bruder” halten. Um das zu verhindern, wird er also, wo immer er kann, auf diese Spezies Mensch drauf hauen. Lesbierinnen dagegen, sind ja eine verbreitete männliche Phantasie ;-)

Phenomena
Phenomena 6 years ago

@Scully,
warum Afghanen stets streiten, wenn es um Politik geht? Hier meine Meinung:
fehlende Diskussionskultur u. Konsensfähigkeit sind das Problem. Die Vergangenheit und die gegenwärtige politische Lage sind dafür ein Beleg auf höchster Ebene. Auf die Argumente des Gesprächspartners einzugehen bzw. sich durch gute Argumente überzeugen lassen, wird als ein Zeichen der Schwäche angesehen. Zudem habe ich bisher noch keinen Afghanen getroffen, der offen gesteht, zu einem bestimmten Thema nicht genügend Infos/Wissen zu haben, um darüber zu diskutieren. Sachlichkeit, Bescheidenheit und Understatement ist nicht gerade eine afghanische Tugend.

Miskinyar, der Journalist aus den USA, gilt unter vielen afghanischen Intellektuellen als ein fähiger Journalist. Er ist sicherlich belesen und rhetorisch ziemlich fit, doch er bricht oft mit journalistischen Prinzipien. Viele seiner Debatten laufen auf der persönlichen Ebene ab und beruhen auf Spekulationen. Fakten liefert er selten für seine Behauptungen über Personen. Wenn es z. B. um afg Politiker geht, heißt es oft weitschweifig:’....ich kenne ihn, er war früher ein unbedeutender Mensch, war Hotelier, hat keine Bildung, etc….’ Damit will er sich selbst in einem besseren Licht darstellen, d.h. ich bin qualifiziert, intellektuell und was weiß ich noch.

Der Afghane täte einfach gut daran, mehr durch Taten als durch Worte zu glänzen. Wein trinken und Wasser predigen hat fertig. Mein Credo ist: Nicht reden, sondern machen und Vorbild sein!!!

Insgesamt sehe ich aber viele positive Entwicklungen bei den Afghanen. Solche Veränderungen brauchen nun mal Zeit, aber tendenziell geht es schon in die richtige Richtung. Hier bei AM finde ich sehr gute Beiträge von einigen Teilnehmernm, die ich vor 10 Jahren niemals von einem Afghanen gelesen hätte. Eine Bereicherung für AM ist sicherlich Deutsche68, wenn es um Diskussionskultur geht. Sie wird oft beleidigt, doch trotzdem bleibt sie stets bei der Sache.

@Wawa, in der Tat, Religion sollte ein absolutes Tabu Thema sein bzw. den Theologen überlassen werden. Man kann sicherlich im kleinen Kreis bzw. unter guten Freunden über Religionen diskutieren, aber nicht überall und vor allem nicht bei jeder Gelegenheit.

hexler
hexler 6 years ago

Religion als tabu-Thema find ich seltsam. Das hat doch auch mit dem Sinn des Lebens zu tun. Man sollte keine Angst haben, nur weil andere etwas falsch machen.

WaWa
WaWa 6 years ago

Apropos, welche Religion haben die Iraner im Exil?
Ich habe oft gesehen dass die einen Adler um den Hals tragen.. was ist das genau? Wenn wir schon paar iraner hier haben :)

Scully
Scully 6 years ago


@Scully,

warum Afghanen stets streiten, wenn es um Politik geht? Hier meine Meinung:

fehlende Diskussionskultur u. Konsensfähigkeit sind das Problem.


Nun die Kultur gibt es schon, denn Afghanen diskutieren wo sie auch immer sind. Aber die Kultur ist leider Gottes nur auf Basis des Mottos “Auge um Auge, Zahn um Zahn” entwickelt. Was Konsesfähigkeit betrifft, bin ich ganz Deiner Meinung, Pheno Jan


Die Vergangenheit und die gegenwärtige politische Lage sind dafür ein Beleg auf höchster Ebene. Auf die Argumente des Gesprächspartners einzugehen bzw. sich durch gute Argumente überzeugen lassen, wird als ein Zeichen der Schwäche angesehen. Zudem habe ich bisher noch keinen Afghanen getroffen, der offen gesteht, zu einem bestimmten Thema nicht genügend Infos/Wissen zu haben, um darüber zu diskutieren. Sachlichkeit, Bescheidenheit und Understatement ist nicht gerade eine afghanische Tugend.


Ganz Deiner Meinung. Die afghanische Unwissenheit treibt einem zum Wahnsinn. Man weicht keinen mm von seiner Meinung ab, obwohl keinen einzigen Beweis für seiner Meinung hat….. DRAMA 

Miskinyar, der Journalist aus den USA, gilt unter vielen afghanischen Intellektuellen als ein fähiger Journalist. Er ist sicherlich belesen und rhetorisch ziemlich fit, doch er bricht oft mit journalistischen Prinzipien. Viele seiner Debatten laufen auf der persönlichen Ebene ab und beruhen auf Spekulationen. Fakten liefert er selten für seine Behauptungen über Personen. Wenn es z. B. um afg Politiker geht, heißt es oft weitschweifig:’....ich kenne ihn, er war früher ein unbedeutender Mensch, war Hotelier, hat keine Bildung, etc….’ Damit will er sich selbst in einem besseren Licht darstellen, d.h. ich bin qualifiziert, intellektuell und was weiß ich noch.


Applaus Pheno Jan für Deine scharfe Beobachtung.


Was Du da beobachtet hast, trifft auf alle afghanischen Diskussionen zu. Jede Diskussion wird mit diese Methode im Keim erstickt. Alle Afghanen kennen die Gegenseite und beurteilen ja sogar verurteilen sie auf Basis irgendwelche Vermutungen. Die Gegenseite ist nie gut genug für sie. Sie war immer und ist schlechter als sie. Man ist besser gebildet, hat eine höhere Abstammung, ist reicher als jeder anderer. Man ist einfach besser. Also was soll diese Diskussion. Lass es mich machen. Ich kann es und weiss es doch sowieso besser. 


So sieht das Alltagsleben der Afghanen und ihre Diskussionskultur aus. Ob man so ein Land aufbauen kann, bezweifele ich sehr. 



Der Afghane täte einfach gut daran, mehr durch Taten als durch Worte zu glänzen. Wein trinken und Wasser predigen hat fertig. Mein Credo ist: Nicht reden, sondern machen und Vorbild sein!!!

Prost!     


Deutsch68
Deutsch68 6 years ago

Ist eigentlich sich zu seinen Neidgefühlen zu bekennen auch ein Tabu-Thema bei Afghanen ? Ich habe bisher nur von Deutschen bei Gesprächen über z.B. Reisen oder Autos oder Kleidung, die man trägt gehört, dass da mal jemand sagt: “Oh, Sie fliegen nach….? Da werde ich ja ganz neidisch.” Oder: “Woher haben Sie diese schön Bluse ? So eine möchte ich auch haben.” Bei Afghanen habe ich bisher eher indirekt erfahren, ob sie neidisch sind, zum Beipiel halten sie sich bei einem Neukauf von was auch immer gern an den (echten oder herbeigewünschten) Nachteilen auf: Kleid hat zu dünnen Stoff, wird schnell kraus, ist nächstes Jahr altmodisch etc.

Scully
Scully 6 years ago

lol Deutsch Jan, da sprichst Du gerade mir aus dem Herzen.
Wir Afghanen sind nicht neidisch. Wie kommst Du denn darauf? Wir hauen uns gerne auf dem Kopf, wenn wir sehen, dass der Andere bessere Sache hat als wir. smilie_b_003.gif

Spass bei Seite….
Wir geben es nicht zu, aber wie Du es schon gesagt hast, kritisieren wir alles was wir nicht haben (können). Doch nach dem Kritik ausgeübt wurde, mache wir uns schnell auf den Beinen und tun alles, wirklich alles, um es zu erreichen, egal Schwarzarbeit, Korruption, Schmiergeld, etc. Nur zugeben wie es die Deutsch tun, dass würde unter unsere Ghairat-grenze liegen und soweit bücken wir uns nicht smilie_happy_004.gif

Deutsch68
Deutsch68 5 years ago

Zugeben, dass man an Lästereien über Dritte Spaß hat udn sich entsprechend daran beteiligt, ist für ziemlich viele ein Tabu. Unter Deutschen wird es lieber als “psychologische Auswertung von Verhaltensbeobachtungen” verkauft, die man zum Besten gibt, um darüber mit jemand anderem “zu beraten”. Aber das einzige,was einen daran wirklich interessiert,ist, dass mindestens ein weiterer es genauso sieht wie man selbst. :-P

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