Nach § 1631, Absatz 2  des Bügerlichen Gesetzbuchs heißt es:


(2) Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig


Diesen Paragraphen gibt es erst seit dem 08.11.2000, also noch relativ frisch. Davor galt es in Deutschland als jahrhundertelang als Selbstverständlichkeit, dass Eltern zur Erziehung ihrer Kinder auch Gewalt anwenden durften, was ihnen, vor allem dem Vater als Familienoberhaupt als ausdrückliches Recht zuerkannt wurde.


Trotz der gesetzlichen Neuerung, Erziehungsforschungserkenntnisse etc. sterben in Deutschland wöchentlich 2 Kinder an den Folgen elterlicher Misshandlungen, in Hamburg zuletzt die kliene Yagmur, die zwischen leiblichen Eltern und Pflegefamilien pendeln musste. 3 Jahre hat ihr kurzes Leben gedauert. Gestorben an einem Leberriß infolge massiver Schläge/Tritte.


Wie kann man im Alltag eine gewaltfreie Erziehung Eurer Meinung nach praktizieren, also nicht nur ohne Schläge, sondern auch ohne Beschimpfungen, Beleidigungen, Demütigungen etc. ? Wie können Eltern zu einem solchen Handeln in die Lage versetzt werden, die selber mit Gewalt anwendenden Verhaltensmustern erzogen worden sind? 


Wie steht Ihr zu den Sätzen: “Ich habe auch mal Schläge von meinem Vater/meiner Mutter bekommen, aber sie haben mir nihct geschadet und in der Situation hatte ich sie wohl auch verdient!”


“Ein Klaps auf den Po ist doch nicht schlimm!”


“Kinder müssen ihren Eltern gehorchen; dafür müssen Eltern verschiedene Mittel zur Verfügung haben, es ihren Kindern entsprechend beizubringen, zur Not auch durch eine Ohrfeige oder einen Klaps.”


Comments


Scully
Scully 3 years ago

Was verstehen wir unter “Gewalt”? Peitsche oder Klaps auf dem Po?

Jazabak
Jazabak 3 years ago

Oh Gott....ich erinnere mich noch als ich in Afghanistan in der 1. Klasse von meiner Lehrerin mit einem Lineal auf die Hände geschlagen wurde, weil ich meine Hausaufgaben nicht hatte lol 

Gewalt bringt überhaupt nichts! 

Sie schadet dem Opfer psychisch und physisch sowieso 


Scully
Scully 3 years ago

Also meiner Meinung nach ist eine gewaltfreie Erziehung eine Illusion, wenn man sogar einen kleinen Klaps auf dem Po oder einen lauten Schrei als Gewalt bezeichnet. Kinder sind einzigartige Wesen, die schnell und sehr früh erkennen, wie sie ihre Grenzen austesten können und wie sie überhaupt ihr Ziel erreichen können. Natürlich sollte man unbedingt einen Ozean an Geduld und Selbstbeherrschung mitbringen, wenn man Kinder erziehen will, aber kann man wirklich alle Kinder gleich stellen? Was ist dann mit Kindern mit ADHS? Oder einfach Kinder die schon im Kindesalter dickköpfig sind. Sollte man noch nicht mal laut schreien?
Deutsch68
Deutsch68 3 years ago

Liebe Scullyjan,

ich kann mir zumindest nicht vorstellen, dass man bei besonders willensstarken Kindern, nicht irgendwann einfach in bestimmten Situationen das Schreien kriegt (ohne es gewollt zu haben) ;-). Beispielsweise, wenn man ihnen sagt, dass sie ihre Finger  vom Topf auf dem Herd lassen lassen sollen, mit dem sie evtl. vorher ein schönes "Ich räume aus der Schublade aus - ich räume in die Schublade ein"-Spiel gespielt haben und dieses nun fortsetzen wollen, wie sie den Topf da nun sehen. 

Mir ist es immer noch nicht gelungen, ausschließlich in einem ausgeglichen ruhigen, immer nur zimmerlautstarken Ton zu meinen  Kids zu sprechen. Anderes Beispiel: "Pack Deine Schultasche für morgen". Sohn, hypnotisiert von der Lieblings-TV-Serie "Wenn die Werbung kommt, ok?!" "Ok" - Werbepause vergeht, Schultasche bleibt ungepackt. Ich wieder zum Kindelein: "Du wolltest doch in der Werbepause Deine Schultasche packen" "Nächste Werbepause ok?" "Ok, dann aber wirklich!" Nächste Werbepause vergeht, eine weitere Lieblingssendung hat angefangen, Schultasche ist weiter ungepackt.  Ich stürme vor meinen Sohn UND SCHREIE IHN AN: "P A C K S T   D U  J E T Z T  E N D L I C H  D E I N E  S C H U L T A S C H E!"  Was soll ich sagen, erst das wirkt ;-).

Andererseits beklagen sich Schülerinnen und Schüler über "schreiende" Lehrer/innen, weil sie Schreien eben als unangemessen massive Umgangsweise mit ihnen empfinden. Ich persönlich möchte auch nicht angeschrien werden, wenn ich mal etwas falsch gemacht oder vergessen habe. Erziehung ist schon eine schwierige Sache, wenn es Erziehung zu einem selbstbewussten und -bestimmten Menschen sein soll und nicht Dressur zum gehorsamen Untertan.

Eine Mutter von drei Kindern hat mal etwas finde ich sehr Passendes gesagt. Damals war auch wieder ein Fall von einem schwer misshandelten Kleinkind, dass eines Tages aus dem Fenster eines 5. Stocks geworfen worden ist und dann an den Verletzungen verstarb. Wir diskutierten darüber, wie man dazu überhaupt imstande sein kann. Sie sagte: "Na, sei mal ehrlich. So einen G E D A N K E N hat doch jeder von uns auch schon mal situationsbedingt gehabt. Wir t u n es eben nur nicht !" 

Was ist also, wer elterlicherseits in seiner eigenen Kindheit keinen "Ozean an Geduld und Selbstbeherrschung" erlebt hat, sondern eher das Erziehungs-Modell "und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt" ? Wozu wird der im Umgang mit seinen Kindern am ehesten imstande sein ? 
Scully
Scully 3 years ago

So geht es mir auch Deutsch Jan, dabei ist mein kleiner Zappelphillip gerade mal 20 Monate alt. Man sagt und sagt immer wieder den selben Satz und versucht die Ruhe zu bewahren, dann nach dem 10ten Mal knallt es mit einem lauten Schrei. Ich würde zu gerne wissen, was Kinder empfinden und wie es ihnen geht, wenn sie uns erst ignorieren und dann nach dem Schrei endlich den Popo bewegen?!

Und zu dieser Geschichte: die Nachbarin hat völlig recht, fast jedes Elternpaar erlebt mal Momente, wo einer denkt, nun ziehe ich aus oder schmeiss alles aus dem Fenster. Diese Schlussfolgerung ist gar nicht mal so falsch.....leider
Taregh
Taregh 3 years ago

Salam
Die Nachbarin hat nicht völlig recht,es gibt viele Eltern die nie den Gedanken hegen das Kind aus dem Fenster zu schmeißen.
Wie viel Gewalt, und in welcher Form bei der Erziehung   angewendet werden, ist davon abhängig wie sehr man selbst als Erzieher von der Gewalt infiziert worden ist .Die Wenigsten wollen mit der Infektion aber zutun gehabt haben,was aber eine Behandlung fast unmöglich macht.
Ich denke es ist Vielen wie eine Sucht,wo der Betroffene ganz genau weiß,daß der Griff nach der Droge falsch sei aber dennoch kann er nicht davonlassen.Man müsse erstmal das Bewusstsein entwickeln welches uns klar macht wie viel Schaden man durch Gewalt in der Beziehung und Erziehung -sehr oft mit irreversiblen Schäden-anrichte, damit man überhaupt  in der Lage gerät um  vielleicht aus Liebe zu den eigenen Kindern oder besser gesagt aus Selbstliebe sich davon lösen lernt.Mutige,kluge aber vor allem glückliche Menschen finden  wenig Verwendung für Gewalt in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt.Es sind immer die Ängstlichen und Schwachen die anstelle der Vernunft die Gewalt ,sei es verbal,psychisch,seelisch oder physisch vorziehen.
Ich habe vor drei Jahren meine Sohn eine sanfte Ohrfeige gegeben,weswegen weiß ich nicht mehr.Er hat mich danach angeschaut und gelacht ,ungefähr 5 Sekunden lang,danach aber fing er an zu weinen ,untröstlich.Am Abend ging ich vor den Spiegel und habe mich solange geohrfeigt und geweint bis ich nicht mehr konnte......
kh
Deutsch68
Deutsch68 3 years ago

Tareghjan, das hast du wunderbar gesagt!!!

Es sind immer die Ängstlichen und Schwachen, ja richtig - wenn ich überlege, in welchen Situationen ich laut geworden bin oder Beschimpfungen oder fiese Androhungen gezischt habe, dann sind es Situationen, in denen ich ängstlich und/oder schwach war bzw. mich so gefühlt habe. Und fast immer ärgere ich mich danach über mich selbst, dass ich in der Situation nicht gelassener reagiert habe.

Anderseits hat jeder seine Kindheit so durchleben müssen, wie sie eben war, und daraus Prägungen mitgenommen. Wie sagte doch eine Psychologin namens Katharina Ohana: Die Kindheit ist ein gefährlicher Ort - selten verlässt ihn  jemand unbeschadet! Sich selbst trotz etwaiger Schädigungen so lieben zu können, dass man nichts als Liebe an seine Kinder weitergibt..... Da hast Du schon recht, dass ist ein Prozess erstens der Bewusstwerdung und zweitens Entscheidung zur Verhaltensänderung.

Zum Spruch "Ein Klaps auf den Po hat noch keinem geschadet". Wäre nicht eher zu fragen, was hat er dem Kind für das spätere Leben genützt? Wenn auch eine Ohrfeige oder eine Tracht Prügel "nicht schlimm" sind, wieso können sich alle, denen so etwas getan wurde, bis ins hohe Alter so ausgesprochen gut daran als schlechtes Erlebnis erinnern ? Vor allem, wenn man einem Krabbelkind anfängt auf den Po und ins Gesicht zu hauen - was soll die Steigerung sein, wenn das Kind ein für die Eltern größeres Malheur verursacht ?     

Taregh
Taregh 3 years ago

Salam
ich stelle immer wieder sowohl bei anderen  als auch bei mir selbst,daß wir Erwachsene in vielerlei  Hinsichten immer neu erzogen werden müssen,daß wir eine Umerziehung nötiger haben als Kinder eine  Erziehung denn Kinder übernehmen  doch nur das was wir ihnen vorleben.
Erschreckend aber interessant finde diesbezüglich was Bourdieu über unser Habitus sagt.Was für ein Jammer wenn er recht behalten sollte und wir  nicht so sein können wie wir sein wollen....
kh
Diwa
Diwa 3 years ago

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mir eventuell den Vorwurf gefallen lassen muss, als jemand, der selbst noch keine Kinder hat, womöglich nichts von Kindererziehung zu wissen, oder davon, wie sehr der turbulente Alltag mit Kindern an den Neven zerren kann, so will es mir dennoch nicht nehmen lassen, mich zu diesem wichtigen Thema zu äußern.

Kinder sind die zauberhaftesten Wesen, die es gibt, sie tragen alles das in sich, was den Menschen ausmacht, all das Potenzial an Gutem wie an Schlechtem, was im Menschen angelegt ist. Wie sie sich jedoch im Laufe der Zeit entwickeln, hängt in großen Maße und einzig davon ab, welche Anteile man in ihnen fördert, ob nun die positiven oder die negativen.

Eltern, die sich zum Schreien oder Schimpfen hinreißen lassen, fühlen sich im Umgang mit ihren Kindern ohnmächtig, weil sie erleben, wie wenig wirksam und auch zielführend ihr Verhalten in Bezug auf den erhofften Erziehungserfolg ist. Innerlich spüren sie, dass die verbale Entgleisung keine geeignete Erziehungsmethode darstellen kann, auch wenn sie in dem Moment es in ihrer Ohnmacht als das einzig richtige Mittel ansahen.
Zur gewaltfreien Erziehung gibt es insofern keine Alternative, als dass das Schreien oder gar Schlagen des Kindes nicht nur der kleinen Seele des Kindes schadet, sondern insbesondere dadurch auch die Eltern-Kind-Beziehung zerstört wird. Gewalt führt zwangsläufig zum Verlust des Urvertrauens, das an einer gesunden Beziehung des Kindes zur Bezugsperson gekoppelt ist. Zweifelsohne geht hiermit zugleich auch ein Respektverlust einher, was das Erziehen noch weiter erschweren dürfte.

Falls man meint, ein 'Klaps auf dem Po' sei als Erziehungsmaßnahme noch zu verkraften oder als solches gerechtfertigt, sollte man bedenken, dass auch das Kind eine Würde besitzt, die es zu achten gilt. Ein Kind, ganz gleich welchen Alters, kann sehr wohl unterscheiden und einschätzen, ob man ihm mit demselben Respekt begegnet, den man sich von ihm selbst erwartet.
Die Frage also, ob eine gewaltfreie Erziehung eher "Illusion" oder vielmehr "Notwendigkeit" sei, stellt sich gar nicht erst, weil Gewalt in höchstem Maße kontraproduktiv ist: Wie ich in einem anderen Topic schon schrieb, sind Kinder unsere Spiegel, an ihrem Verhalten können wir absehen, wie es um unser eigenes bestellt ist. Ich gebe Scully jan also völlig recht damit, dass Erziehung beim Erziehenden einen "Ozean an Geduld und Selbstbeherrschung" voraussetzt.

Was genau lernt ein Kind denn aus der Gewalterfahrung?

Das Kind erfährt eine angstvolle sowie erniedrigende, bedrohliche Situation, wo es missachtet wird, und welche aus einer Grenzüberschreitung resultiert. Es lernt höchstens, entweder selbst künftig Konflikten mit Aggression zu begegnen, oder sich zu fügen, ohne je genau zu wissen, warum es sich fügen musste.

Respekt aber lernt das Kind nur durch den respektvollen Umgang der Eltern mit ihm selbst. Genauso kann es Selbstbeherrschung und Disziplin auch bloß dann lernen, wenn es dich dabei beobachtet, wie du ihm gegenüber als Vorbild selbst deine Beherrschung nicht verlierst. Ein Onkel von mir sagte einmal etwas sehr Schönes in Bezug auf die Erziehung: Wenn du Kartoffeln ernten willst, baue keine Zwiebeln an. Das trifft den Punkt, wie ich finde, sehr gut.  ;-)
Der Spruch verdeutlicht, dass es von dir als Elternteil, und wirklich nur von dir abhängt, wie dein Kind sich verhält. Du kannst ihm keinen Vorwurf machen, dass er nicht sputet, sobald du etwas verlangst. Dein Verhalten bedingt nämlich seines - und ist das Resultat deiner Erziehung.
Gewaltphantasien zeugen nur von Überforderung und Verzweiflung und sind, wie Taregh jan es sehr schön formuliert hat, Ausdruck von Angst und Schwäche. Sie führen zu unterdrückten Gefühlen der Frustration und Scham.

Die Lösung und einzige Alternative zur Gewalt aber heißt: Konsequenz ! 
Mit konsequentem Verhalten können Eltern positiven Einfluss auf das Verhalten ihres Kindes nehmen, ohne dass ihre Beziehung belastet wird. Das Kind muss (notwendigerweise) die Sinnhaftigkeit dessen erkennen & spüren, worum es angehalten wird. Da es ja mit einem eigenen Willen ausgestattet ist, kann dieser also nicht komplett ignoriert werden. Bestrafung oder Belohnung jedoch reichen als Maßnahme nicht aus, da sie nur dazu führen, dass das Kind aus Angst oder purer Berechnung heraus sich angemessen oder korrekt verhält - das aber kann nicht im Sinne der Eltern sein.
Vielmehr sollten Eltern gut begründen, warum es für das Kind selbst von Interesse sein sollte, etwas Bestimmtes zu tun / zu unterlassen. Sie müssen darauf achten, dass es ohne Wenn und Aber unverzüglich ihrer Bitte oder Aufforderung nachkommt. Vor allen Dingen aber sollte das Kind über die Konsequenzen seines Handelns aufgeklärt werden.
Schreien oder Schimpfen führt nur dazu, dass das Kind das Gefühl hat, den "Machtkampf" gewonnen zu haben, für den Fall, dass es sich um einen Teenager handelt. Falls es um ein Kleinkind geht, lernt es vom Schimpfen oder Schreien der Eltern nur, dass es entweder abwarten muss, bis der Punkt endlich da ist, an dem die Eltern es wirklich ernst meinen, und dass es vorher keinen Zweck hat, auf ihr Drängen zu reagieren, oder aber das Kind lernt, dass es das nächste Mal ausreicht, dass es selbst nur zu schreien oder zu poltern anfängt, wenn es seinen Willen durchgesetzt bekommen haben möchte.   ;-)

Deutsch68, um auf deine Anekdote Bezug zu nehmen, finde ich das Verhalten deines Sohnes nicht weiter verwunderlich. Ohne dir zu nahe kommen zu wollen, er hat bloß dein eigenes Verhalten widergespiegelt: Die Verabredung war, dass er seine Schultasche in der ersten Werbepause packt. Da du ihn aber erstens schon länger kennst, und zweitens er in dem Alter zu sein scheint, in dem er seine Grenzen testet, hättest du in der besagten Werbepause schon darauf bestehen sollen, dass er deiner Aufforderung Folge leistet. Aus deiner Nachlässigkeit hingegen hat er ganz folgerichtig für sich geschlossen, dass es auch für ihn in Ordnung ist, nachlässig zu handeln.
Da auch er dich gut kennt, und euer kleines "Spielchen", hat er wohl damit gerechnet, dass er das Ganze ein weiteres Mal verzögern und hinausziehen können wird. Und du hast seine Erwartungen diesbezüglich nicht enttäuscht; woraufhin er natürlich bei der nächsten Werbepause wieder darauf spekuliert hat, dass du ihm einen weiteren Verzug gewährst, wenn er sich nur irgendwie "klug" anstellt bzw. genauso wie bisher. Und wie erwartet, hast du wieder nachgegeben und ihm damit ein weiteres Mal signalisiert, dass du nicht wirklich meinst, was du sagst.
Es hätte ihm aber beim ersten Mal schon klar gemacht werden sollen, dass du darauf bestehst, dass die Schultasche jetzt und sofort gepackt wird - und dass etwas Anderes nicht zur Debatte steht.   ;-)
Auch hätte man ihm erklären können, was du ja womöglich getan hast, oder auch nicht, ich kann es nicht wissen, warum es ihm (am nächsten Morgen) zum Vorteil gereichen würde, wenn er die Schultasche (am Abend vorher schon) gepackt hat. Er sollte erkennen, dass er selbst der Nutznießer des Ganzen ist, und nicht du.

Erkenntnis, also, und Konsequenz auf Seiten der Eltern und des Kindes sind meiner Ansicht nach ausschlaggebend für eine erfolgreiche Erziehung: Die Eltern müssen konsequent sein - und ihren Kindern die Konsequenzen ihres Handelns aufzeigen. 
Deutsch68
Deutsch68 3 years ago

Diwajan, Du hast meine Anekdote bzgl. meines Erziehungsmangels sehr gut beschrieben, wie ich finde - in der Tat finde ich Konsequenz, von der Du völlig zu Recht sagst, das sie unerlässlich in der Erziehungsarbeit ist, mitunter verdammt schwierig. Den Sinn und Zweck des Schultasche am Vortag packen habe ich meinen Kindern natürlich erklärt. Aber wie so oft klaffen verstandesmäßiges Begreifen und folgerichtiges Handeln bei Dingen, die einem persönlich zu nervig/unwichtig/unbequem sind, auseinander. Bei Kindern wie bei Erwachsenen ;-). Diesbezüglich war ich, zumal ich häufig nebenbei mit anderen Dingen beschäftigt bin (Kochen, Putzen, aufräumen oder auch mal Buch lesen, Internet surfen etc.), einfach zu sehr davon ausgegangen, dass sich mein Kind nach der ersten verschlunzten Werbepause an den mit mir frisch getroffenen Deal hält, ohne dass i c h  weiter darauf achten muss, wann genau die nächste Werbepause stattfindet. So lernen wir im Alltag weiter voneinander unsere persönlichen  Grenzen und versuchen sie für die Zukunft anders zu setzen ;-). Ich persönlich kann von mir sagen, dass ich Erziehung von Kindern ab dem Alter, ab dem das Kind eine umfassendere Sprachkompetenz erworben hat, als angenehmer empfinde. Man kann etwas erklären und bekommt auf derselben Ebene eine klare Rückmeldung (habe ich verstanden/finde ich aber doof/warum so und nicht anders?). Und man kann Konsequenzen v o r h e r  verständlich ankündigen. Wenn Du dies tust, dann passiert jenes.

Zum Konsequenzen aufzeigen: Ich denke, für manche Eltern ist Bestrafung das, was sie als Konsequenz für unerwünschtes Handeln ihrer Kinder anwenden.  Einem Kleinkind von 20 Monaten kann man zwar erklären, dass Töpfe auf dem Herd heiß sind und doll "aua" machen können und es darum davon fern bleiben soll. DIe unmittelbare Konsequenz kindlichen Handelns wäre zulassen zu müssen, dass das Kind an den Herd geht, wann ihm danach ist, womöglich den Topf mit kochend heißem Nudelwasser herunterzieht und sich dabei Verbrühungen dritten Grades zuzieht. Kein Vater und keine Mutter der Welt will, dass so etwas seinem Kind geschieht. Also versucht man ein solches Szenario durch weniger verletzende Konsequenzen zu verhindern, die wirkungsvoller als Worte sind und einen weiteren Ausprobierdrang von vornherein nachhaltig unterbinden.
Ich will damit keine Gewaltanwendung schönreden, sondern aufzeigen, dass viele mit eben dieser Erziehungsmethode aufgewachsen sind und so die Wahrscheinlichkeit groß ist, diese entsprechend bei seinen Kindern selbst anzuwenden.

Wenn unmittelbar Gefahr für das eigene Kleinkind droht, dann möchte ich mal sehen, wie Eltern es trotz akuter Angst schaffen, im Umgang mit dem Kind ruhig und gelassen zu bleiben ( Weitere Gefahrenklassiker: Zulaufen auf eine viel befahrene Hauptstraße, auf einen See, auf eine Eisfläche etc.) anstatt ihm hektisch hinterherzulaufen und es von der Gefahrenquelle wegzureißen. Da gehört schon sehr viel Fähigkeit der bewussten Reflektion über die eigenen Erziehungsmethoden und Fähigkeit zum v o r a u s s c h a u e n d e n Handeln im Umgang mit seinem Kind dazu, um immer aus dem zitierten Ozean schöpfen zu können. 

Scully
Scully 3 years ago

Vor ein Paar Wochen war ich dabei, dass Abendessen zu servieren. Ich hatte gerade den heissen Topf vom Herd genommen und war auf der Suche nach Teller, als mein Kleiner die Hand Richtung Topf ausstreckte. Obwohl ich 1m entfernt war, konnte ich nicht mehr verhindern dass er sich an diesem Moment 3 Finger verbrannt hat. Jedoch hat er aus dieser Situation gelernt um nicht mehr heisse und dampfende Sachen an zu fassen. 
Aus diesem Ereignis habe ich selbst die Schlussfolgerung gezogen, dass man seine Kinder nicht immer beschützen kann und vielleicht auch nicht sollte, denn solche Lebenserfahrungen prägen das Leben und werden zu Lehren. Trotzdem erleben wir beide tagtäglich Momenten, wo wieder und wieder der lauter Schrei als Mittel zum Eingreifen in das Geschehen dient.........................
Diwa
Diwa 3 years ago

Das klingt sehr interessant, Scully jan. 
Du hast wohl recht, zur Kindererziehung gehört wohl auch eine Portion Gelassenheit dazu, um sich nicht völlig in Ängsten zu verlieren - oder diese gar womöglich aufs Kind zu übertragen. Unglücklicherweise lernen Kinder neurotischer Eltern nämlich unbewusst, die Welt zu fürchten, anstatt sie als einen aufregenden Ort zu begreifen. Ihr Entdeckungstrieb wird durch die Angst gemindert, und somit auch die Freude, die aus dem Entdecken und Erleben erwächst.

Deutsch68:
Sehr richtig, wie bei jeder Beziehung ist Kommunikation auch bei der Erziehung unabdingbar, diese jedoch läuft je nach Gegenüber stets unterschiedlich ab. Auch ein Baby/Kleinkind wird dir eine (nicht-sprachliche) Rückmeldung darüber geben, was es denkt/fühlt/will. Es liegt an uns, ob wir diese Mitteilung korrekt deuten mögen oder nicht. ;-)
Das Kind seinerseits aber wird auch durchaus in der Lage sein, als Empfänger einer sprachlichen Botschaft Worte / Gestik / Mimik oder Tonfall der Mutter entsprechend so zu deuten, dass es möglich sein dürfte, ihm auf einfache Weise Grundlegendes zu kommunizieren.

Was Gefahrensituationen betrifft allerdings, stellen diese einen Sonderfall dar. Man kann ja nicht bei Situation A, Situation B und Situation C, immer nur das Verhalten A als an den Tag legen, da hast du mich wohl ein wenig missverstanden. Es ist selbstverständlich, dass man sein Handeln an die jeweilige Situation anpasst, die da gerade vorliegt. ;-)
Da im Übrigen ein Kleinkind sehr wohl dazu imstande ist, aufgrund seiner Empathie zu begreifen, was man ihm zu vermitteln versucht, muss man es die heiße Herdplatte ja nicht unbedingt anfassen lassen, um ihm begreiflich zu machen, dass es nicht empfehlenswert ist, sie zu berühren.

Dass man aber angesichts drohender Gefahr auch einmal in die Situation kommen kann, zu schreien, hat niemand abgestritten. In dem Moment geht's ja auch nicht erstrangig ums Erziehen an sich, sondern bloß darum, das Kind vor schwereren Verletzungen zu schützen. In einer brenzligen Situation schimpft man nicht unbedingt mit dem Kind selbst, sondern unternimmt alles, um (lautstark) auf sich bzw. auf die unmittelbare Gefahr aufmerksam zu machen.

Sicher, es ist unbestritten, dass manche Menschen vor allem in solchen Situationen, in denen sie sich gefordert oder überfordert fühlen, dazu neigen könnten, unbewusst den Erziehungsstil der Eltern zu übernehmen, doch dann besteht die Hauptaufgabe bei der Erziehung wohl umso mehr darin, sich eben diese Tatsache (in jedem Augenblick) bewusst zu machen, um fähig zu sein, sich bei jeder einzelnen Handlung bewusst gegen die falsche Verhaltensweise zu entscheiden.  ;-)
Schließlich schuldet man es dem Kind, so zumindest mein Empfinden als "Laie" in Sachen Erziehung. 
Taregh
Taregh 3 years ago

Salam
Schade finde ich es, dfaß der Staat selten etwas gegen den Gewaltväter/Mutter etwas unternimmt ,auch dann nicht wenn er erfährt ,daß diese ihre Kinder bis zur Unkenntlichkeit misshandeln.Sehr oft werden  die wehrlosen Minis dorthin zurückgeschickt wo man sie solange schlägt bis ihnen die Leber reißt.
kh
Scully
Scully 3 years ago

Schrecklich. Solche Menschen oder besser gesagt Monster verdienen kein Leben. Kinder sind die schönsten Wesen  auf dieser Erde, wie schwer auch die Erziehung mag sein. Jedes Mal wenn ein Kind lacht, lacht die Welt mit. Alle Sorgen und Nöten scheinen an dem Moment wie kleine Sterne am Himmel der Unwichtigkeit. Wie kann man so was tun? 


Nun zur Sache:
Warum scheinen Erziehungstipps im Bücher so einfach aber wenn es auf die Umsetzung ankommt, dann scheitert fast jedes Elternpaar? Was ist eine gute und gewaltfreie Erziehung überhaupt, da sie anscheinend so schwierig erscheint?
Deutsch68
Deutsch68 3 years ago

Eine gute und weitgehend gewaltfreie Erziehung sollte dann gelingen, wenn man in der Anwendung seinen elterlichen Größenwahn und Wunschphantasien über eine Sollbeschaffenheit seines Kindes genauso gut im Zaum halten kann wie seine persönlichen Kompensationsbedürfnisse für etwaige erlittene Mängel in der eigenen Kindheit. Also sein Kind in seinen Bedürfnissen akzeptiert, ihm vorbehaltlos das Recht auf eigene Bedürfnisse zugesteht (nicht zu verwechseln mit alle erfüllen) und es liebt wie es nun einmal ist. Das Kind als Mensch ernst nehmen und dankbar sein für das wunderbare Geschenk, das einem gegeben wurde.....ich weiß, leicht gesagt, schwer getan, besondrs in emotionalen Stresssituationen.

Eine kleine Buchempfehlung für Menschen mit leidlich gutem Nervenkostüm: "Deutschland misshandelt seine Kinder" von den Gerichtsmedizinern Michael Tsokos und Saskia Guddat. Liest sich leider ziemlich erschütternd. Jedes Jahr über 500 infolge massivster brutaler Gewaltanwendung zu Tode misshandelte Kinder, Opfer sexuellen Missbrauchs noch gar nicht hinzugezählt.

Darin wird genau das angeklagt, was Tareghjan erwähnt: Im Bestreben, die Beziehungsbindung zwischen Eltern und Kind so lang wie möglich zu erhalten bzw. zu fördern, bekommen die Misshandler ihr Opfer relativ schnell wieder ausgehändigt, und das, obwohl das Jugendamt laut Gesetz eine Wächterrolle über das Kindeswohl hat. Durch dieses Handeln bzw. Lassen (= lebenslanger Entzug des elterlichen Sorgerechts auch für alle künftig noch geborenen Kinder) wird zur Summe der jährlich durch Misshandlung getöteten Kinder ein furchtbarer Beitrag geleistet.


Taregh
Taregh 3 years ago

Salam
warum die Erziehungstipps die so einfach erscheinen in Wirklichkeit nicht immer funktionieren?
Scully jan e qand,wenn einfach  einfach nur ein Fach wäre würde alles anderes aussehen als es aussieht.Es sind in Wirklichkeit aber viele Fächer die man gleichzeitig berücksichtigen muss damit auch das einfache wirklich  einfach funktioniert.
 Wenn man berücksichtigt ,dass Gewalt viele Gesichter hat ,dann möchte ich meinen dürfen , dass unsere postmoderne Gesellschaft  von Gewalt durch und durch übersät ist ,ja, ich würde sogar sagen ohne sie findet in unserer Gesellschaft unter Menschen gar keinen Austausch mehr statt .Ich denke realistischer und wichtiger ist es zu fragen wie man den richtigen Umgang mit Gewalt erlenen kann  .
kh

Taregh
Taregh 3 years ago

Salam
Ich bin durch und durch ein Pazifist,obendrauf bilde ich mir ein, ein unverrückbarer Humanist zu sein was mich unausweichlich dazu drängen wird  diese  ,meine Werte an meinen Kinder auch weiterzugeben. Aber ich werde auch bei der Erziehung meiner Kinder dennoch strikt darauf achten, daß jeder von ihnen auch jene Fertigkeiten erwirbt, welche einen Mann dazu befähigen im Notfall allein und" ohne Waffe" sich gegen fünf Kerle erfolgreich zu wehren ,oder wenn die Situation es verlangt schneller Zivilcourage zeigen und anderen Unschuldigen aus einer bedrohlichen Messsituation zu befreien helfen.
kh

Deutsch68
Deutsch68 3 years ago

Steht so etwas denn im Widerspruch zur Maxime einer gewaltfreien Erziehung, wenn man seinem Kind beibringt, dass es ein Recht auf Notwehr hat oder dass manche die Sprache der Gewaltlosigkeit leider nicht erreicht?!
Diwa
Diwa 2 years ago

"Punishment also turns children into sadists. The cruelty of many children springs from the cruelty that has been practised on them by adults. You cannot be beaten without wishing to beat someone else. . . Every beating makes a child sadistic in desire or practice."

~ A. S. Neill
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