In Afghanistan, hier eine Straße in Kabul, betreut Agef die unterschiedlichsten Projekte

Die entwicklungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ute Koczy, sieht den Verdacht durch die Einstellung der Zahlungen und die Überprüfung von Agef erhärtet. “Man hat in den Ministerien den Überblick verloren und geht davon aus, dass etwas faul ist”, sagte Koczy der FTD. Stutzig mache auch die große Bandbreite von Projekten, welche die Organisation mit nach eigenen Angaben rund 30 deutschen Mitarbeitern betreut. “Vom Moscheenbau über Drogenprävention bis hin zu Richterausbildung und Förderung deutscher Wirtschaftsinteressen ist alles im Portfolio zu finden.”

Laut der Antwort des BMZ erhielt die Agef allein im vergangenen Jahr staatliche Zuwendungen in Höhe von insgesamt knapp acht Mio. Euro. Rund 1,2 Mio. Euro flossen in das Rückkehrerprogramm in Afghanistan, das von der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) betreut wird. Insgesamt erhielt die Agef für das Programm seit 2002 gut 14 Mio. Euro.

Im Irak betreibt die Organisation mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag zwei Wirtschaftsbüros, die Kontakte für deutsche Unternehmen anbahnen sollen. Auch Seminare in “Good Governance”, also guter Regierungsführung, werden von Agef angeboten. Auf die Frage, wie die Qualifikation der Mitarbeiter überprüft werde, heißt es in der Antwort auf die kleine Anfrage: “Im Rahmen ihrer Möglichkeiten konrolliert die Bundesregierung die Auswahl der Dozenten.”

Laut einer internen BMZ-Einschätzung sollen die Ergebnisse der Wirtschaftsprüfung bis Mitte Dezember vorliegen. Je nach Ergebnis könnte ein Auszahlungsstopp für Zuwendungen an die Agef verhängt werden.

Agef-Geschäftsführer Klaus Dünnhaupt werden gute Kontakte in Ministerien und den Bundestag nachgesagt. Zu seinen Bekannten gehört auch der frühere Bundestagsabgeordnete Reinhold Hemker (SPD), der noch im Frühjahr im Auftrag der Agef Bildungsseminare für Mitglieder der irakischen Nationalversammlung abhielt.

Hemker wies den Unterschlagungsverdacht gegenüber der FTD vehement zurück. Sollten Unterlagen fehlen, liege dies vermutlich an der örtlichen Bürokratie, sagt Hemker mit Verweis auf eigene Erfahrungen als Entwicklungshelfer in Simbabwe. “Da muss man für jede Quittung auch zehnmal hin- und herlaufen.”


Comments


Phenomena
Phenomena 8 years ago

Sorry, war wohl zu lang. Würde gerne Eure Meinung zu den kürzlich erschienen nachfolgenden Artikel lesen.

http://www.noz.de/artikel…

http://www.ftd.de/politik…

Scully
Scully 8 years ago

Ich weiss gar nicht, warum Leute immer wieder durch solchen Beiträgen in den Zeitungen wach gerüttlet werden müssen. Solche Praktiken sind doch Gang und Gebe. In den letzten 8 Jahren sind mehr 5 Md. Euro in Afghanistan reingeflossen. Doch man sieht davon nichts. Die einzige logische Erklärung ist doch die Tatsache, dass NGO’s ihre Finger schmutzig machen und das ganze Geld wieder zurückholen.

Leider helfen auch solche Nachrichten nicht weiter. Kurz nach dem Lesen geht das Gehirn wieder in den Winterschlafzustand zurück…..

Deutsch68
Deutsch68 8 years ago

Schade, dass durch solche Unterschlagungen auch die NGOs in Verruf/Misstrauen geraten, bei denen alles korrekt und wirksam im Sinne einer Wiederaufbauhilfe läuft.

Phenomena
Phenomena 8 years ago

Scully, diese Nachrichten habe ich bisher in den dt. Medien noch nicht gelesen.  Es geht hier nicht wie sonst in den dt. Medien um korrupte Afghanen bzw. Mitglieder der afghanischen Regierung, sondern um eine dt. NGO, die Betrug in der Entwicklungshilfe als Geschäftsmodell hat.  Wie konnte die Bundesregierung fast 10 Jahre lang ohne Kontrolle  52 Mio. Euro unter dem Deckmantel der Entwicklungshilfe für eine korrupte dt. NGO in   AFG abdrücken? Das ist ein Skandal!

 Will die Bundesregierung auf diese Weise den zivilen Wiederaufbau Afghanistans voranbirngen? 

Was genau passiert mit den Steuergeldern, die für den Wiederaufbau nach AFg  fließen?  

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