Antigone unter der Burka - Deutsch-afghanisches Theater in Kabul -

Antigone unter der Burka - Deutsch-afghanisches Theater in Kabul
07.11.2003 Kabul/dpa. Mit etwas zittriger Stimme setzt Taj Mohammad an, doch dann schallt es auf Dari, einer der afghanischen Sprachen, über das Trümmerfeld an der Universität Kabul. «Vieles ist ungeheuer, nichts ungeheurer als der Mensch», singt er, und noch vor gut zwei Jahren wäre ihm der bittere Wahrheitsgehalt dieser Aussage aus dem Chorlied der Antigone wohl schmerzlich bestätigt worden - unter den Taliban, wo selbst das Pfeifen verboten war, hätten ihm fürs Singen Prügel gedroht. Mohammads Textschwierigkeiten sind kaum verwunderlich, der 67-Jährige mit dem weißen Bart ist kein Schauspieler, sondern einer der alten Wachmänner an der Hochschule.
Das hat die deutsch-afghanische Regisseurin Julia Afifi, die eigentlich in Frankfurt am Main zu Hause ist, nicht davon abhalten können, ihn in ihre Truppe meist junger Afghanen aufzunehmen: Sie wollen mit «Antigone» das erste klassische ausländische Theaterstück in Kabul seit dem Ende der Taliban aufführen. Der antike Klassiker von Sophokles passt gut nach Afghanistan: Es geht um den Kampf der Humanität gegen die Tyrannei des Staates.

Das Projekt ist ein ehrgeiziges Vorhaben in einem Land, in dem von Kultur nach fast 25 Jahren Krieg und Bürgerkrieg und der Herrschaft der so genannten Gotteskrieger so gut wie nichts mehr übrig ist. Hinter dem Projekt steht das Goethe-Institut, das jüngst als erste ausländische Kulturorganisation in Afghanistan offiziell wiedereröffnet wurde und kulturelle Wiederaufbauarbeit leistet.







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